Bessere Integration in den Arbeitsmarkt gefordert

Mehr Arbeits-Chancen für Menschen mit Down-Syndrom

Die Fragen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen stehen im Mittelpunkt der dritten österreichischen Down-Syndrom-Tagung, die am 25. September im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg eröffnet wird. Dabei forderten Vertreter des Vereins Down-Syndrom Österreich bei einem Pressegespräch bessere Rahmenbedingungen zur Integration der Betroffenen in den ersten Arbeitsmarkt.

An der ausgebuchten Tagung nehmen 600 Erwachsene und 80 Kinder teil. "Es ist viel zu wenig bekannt, wie kompetent Jugendliche mit Down-Syndrom heute sind", sagte die deutsche Behindertenpädagogin Etta Wilken: "Sie sind leistungsfähig, machen Sport oder Musik und haben eine sehr gute soziale Kompetenz." Gerade mit Assistenz könne die Integration in den ersten Arbeitsmarkt gut gelingen, berichtete Wilken. "So viel, wie wir Menschen mit Down-Syndrom zutrauen, können sie auch erreichen", sagte Bernadette Wieser, die pädagogische Leiterin des Down-Syndrom-Kompetenzzentrums "Leben Lachen Lernen" in Leoben.

Wieser, die eine Tochter mit Down-Syndrom hat, berichtete, dass auch heute noch vielen betroffenen Eltern nahe gelegt werde, ihr Kind in die Sonderschule zu schicken. Es sei ein Skandal, dass Kinder mit Down-Syndrom oft schon vor Beginn des ersten Volksschultags in einen Lehrplan für Schwerstbehinderte eingestuft würden. Das führe zu einer Unterforderung der Kinder. Die Differenzierung nach individuellen Kompetenzen sei extrem wichtig, betonte Wieser.

Diskrepanz zwischen körperlicher und geistiger Reife

Die Pubertät trete bei Jugendlichen mit Down-Syndrom altersgemäß ein. Doch die Diskrepanz zwischen körperlicher und geistiger Reife sei größer als bei "normalen" Jugendlichen, sagte Wilken. Es brauche bessere Rahmenbedingungen für diese Jugendlichen, um ihre Kompetenzen, Interessen und Berufswünsche zu entwickeln. Dazu sei auch nötig, dass Jugendliche mit Down-Syndrom viele Gleichaltrige treffen können.

Man sollte aufhören, Frauen und werdenden Eltern Down-Syndrom als die große Katastrophe darzustellen, appellierte Birgit Brunnsteiner, Mutter des knapp einjährigen Noah, der mit Down-Syndrom auf die Welt kam. Damit könnte man Eltern viele damit verbundene Ängste nehmen. Für mehr Behutsamkeit bei der Darstellung des Risikos, ein Down-Syndrom-Kind zu bekommen, sprach sich Wilken aus. Man solle die werdenden Eltern informieren ohne zu dramatisieren.