Kritik an Fehlermeldesystem der Ärztekammer

Niederösterreichs Patientenanwalt Gerald Bachinger hat Kritik an dem von der österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) geplanten Fehlermeldesystem geäußert. Die Einführung des sektoren- und berufsgruppenübergreifenden CIRS (Critical Incident Reporting System) sei zwar verschoben worden, "was aber bleibt, sind ernste Bedenken von Gesundheitsexperten", sagte Bachinger zur APA.

Bachinger zweifelt vor allem an der Objektivität und Unabhängigkeit des CIRS. Das System soll anonym Berichte über kritische Vorfälle bei der Behandlung von Patienten sammeln und daraus Vorschläge und Maßnahmen zur Fehler- und Schadensvermeidung ableiten. "Umgang mit Fehlern und damit Meldebereitschaft benötigen vor allem Vertrauen in die handelnden Institutionen", so Bachinger. Die ÖÄK hätte sich aber in der Vergangenheit immer wieder durch "Verharmlosung, Schönfärberei und Verleugnung dieser Problematik im Gesundheitswesen hervorgetan".

Es dränge sich der Verdacht auf, dass das Projekt von der Standesvertretung der Ärzte "schlussendlich einvernahmt wurde, um es besser steuerbar zu machen". Die gesetzliche Interessenvertretung der Ärzte als alleinverantwortlicher Träger eines berufsgruppen- und sektorenübergreifenden Fehlermeldesystems sei eine schiefe Optik. Weiters sei unvereinbar, dass zwar die Absender-Adresse anonymisiert werde, der Inhalt der Meldung mit allen personenbezogenen Daten aber von weisungsgebundenen Mitarbeitern der ÖQMed - einer GesmbH, die unter Kontrolle der ÖAK sei - bearbeitet werde.

Statt einer Sammelstelle im "big brother"-Stil bräuchte das Gesundheitswesen ganz andere Arbeitsabläufe, meint der Patientenanwalt. Er schlägt vor, Fehlermeldungen dezentral zu sammeln und auszuwerten. Damit hätten die Berichte vor allem dort Auswirkungen, wo die (Beinahe)-Fehler passiert sind. Über den lokalen Bezug hinausgehende Meldungen könnten auch bundesweit ausgewertet werden.

Vorbild könnte das von der unabhängigen Stiftung für Patientensicherheit in der Schweiz getragene CIRRNET-Vernetzungsprojekt sein. "Für diese Vernetzung bietet sich die bestehende Plattform für Patientensicherheit an, bei der keinerlei standespolitische Verstrickungen und Abhängigkeiten zu befürchten sind", so Bachinger. Seine Kritikpunkte sind in einem Anfang Oktober erscheinenden Letter in "Das österreichische Gesundheitswesen - ÖKZ" und unter http://www.patientenanwalt.com zusammengefasst.