Suchtkranke werden von Hilfsprogrammen schlecht erreicht

Immer mehr Ältere bei Drogenberatung Tirol

Mit einem neuen Phänomen ist die Drogenberatung in Tirol konfrontiert: In den vergangenen Jahren suchten zunehmend Konsumenten der Altersklasse "50 plus" Hilfe in den elf Beratungsstellen des Vereins BIT. Von den derzeit insgesamt 740 betreuten Klienten seien mittlerweile rund zehn Prozent in dieser Altersklasse zu finden. "Der Älteste, der an einem unserer Programme teilgenommen hat, war 60", so der Psychologe Dietmar Kamenschek bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Dies sei unter anderem auf "immer besser werdende Drogenhilfsprogramme" zurückzuführen. Zum einen seien das Konsumenten, die durchgehend Drogen konsumiert hätten. Zum anderen seien aber auch Suchtkranke darunter, die in ihrem Leben längere "abstinente Phasen" gehabt hätten und jetzt wieder rückfällig geworden seien. "Das sind beispielsweise Menschen, die den 60er und 70er Jahren entstammen und jetzt in eine Midlife-Crisis geraten sind oder unter starken Depressionen leiden", erklärte Kamenschek.

Der Großteil, nämlich insgesamt 621 der 740 vom Verein BIT (Begleitung, Integration und Toleranz) betreuten Drogenabhängigen, ist männlich. Mit 57 Prozent mache die Altersklasse der 20- bis 29-Jährigen den Löwenanteil aus. 20 Prozent allerdings seien jünger als zwanzig gewesen. "Die Erfolgsquote des Vereins der nach einem Jahr abgeschlossenen Klienten liegt bei rund einem Drittel", sagte der Psychologe. Die restlichen zwei Drittel würden zum Teil wieder rückfällig. Davon würde sich zumindest ein Drittel nach einem gewissen Zeitraum wieder in Behandlung begeben.

"Es gibt zwar keine repräsentativen Untersuchungen für Tirol", sagte Ekkhard Madlung, Oberarzt der Drogenentzugsstation des Psychiatrischen Krankenhauses Hall und Vorstandsmitglied des Vereins, "geht man aber von internationalen Schätzungen aus, kann man annehmen, dass rund 130.000 Menschen in Tirol zumindest einmal in ihrem Leben mit Drogen in Kontakt kommen." Davon würden rund 2.000 Menschen einen sogenannten "problematischen Konsum von illegalen Drogen aufweisen", der nicht selten Kriminalisierung zur Folge habe. Im fortgeschrittenen Stadium drohe diesen dann Verwahrlosung mit allen dazugehörenden "gesellschaftlichen Sanktionen".

Eines der Hauptprobleme der Drogenberatung in Tirol sei nach wie vor die geringe Zahl an Suchtkranken, die mit dem vorhandenen Behandlungs- und Hilfeangebot erreicht werden. "Wir schätzen, dass wir 70 Prozent erst gar nicht erreichen", meinte Madlung. Zudem müsse neuen Entwicklungen Rechnung getragen werden, indem man beispielsweise die Drogenersatzprogramme ausbaue.