Herzklappenersatz ohne OP an Grazer Uniklinik

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Eine im Vergleich zur traditionellen Brustkorböffnung schonendere Methode des Herzklappenersatzes wird am Universitätsklinikum Graz praktiziert: Die Herzklappe wird über die Leistenarterie ans Herz herangeführt. An der Klinischen Abteilung für Kardiologie wurde am 10. Februar der hundertste Patient nach dieser minimal-invasiven Methode operiert.

Bei der klassischen Aortenklappen-Ersatzoperation wird der Brustkorb geöffnet, das Herz stillgelegt und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die alte Herzklappe entfernt und eine neue künstliche Klappe vernäht. Das setzt den Körper einer hohen Belastungen aus. Bei älteren Patienten geht man in Graz daher einen anderen Weg: Der sogenannte perkutane Klappenersatz wird vom Kardiologen im Herzkatheterlabor ohne Operation und ohne Vollnarkose durchgeführt.

"Über eine Gefäßpunktion in der Leiste wird zuerst die verengte Klappe mit einem Ballon aufgedehnt und dann die künstliche Herzklappe mit einem Katheter eingebracht und freigesetzt", beschreibt der Grazer Herzspezialist Robert Maier den Eingriff. Das neue Verfahren, das von der französischen Firma CoreValve entwickelt wurde, dauert rund eineinhalb Stunden.

"Wir wenden diese Methode bei als inoperabel eingestuften Menschen seit Juni 2007 an und freuen uns über hervorragende Ergebnisse", so Burkert Pieske, Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologie der Uniklinik für Innere Medizin im Vorfeld der 100. Operation. Die Überlebensrate nach einem Jahr liegt in Graz bei 81,3 Prozent, damit liegt man leicht über den weltweiten Durchschnitt bei dieser Methode. Langzeitergebnisse stehen noch aus.

Breiterer Einsatz bei Älteren

Die Grazer Klinik gehört zu den ersten europäischen Zentren, die diese Methode anwenden. Weltweit zählt man seit der Erstanwendung im Jahr 2005 an die 6.500 Eingriffe. "Bei älteren Patienten streben wir künftig einen breiteren Einsatz dieser Methode an. Dies ist auch in den aktuellen Empfehlungen der europäischen und amerikanischen kardiologischen und chirurgischen Fachgesellschaften belegt," so der Grazer Herkatheteroberarzt Olev Luha.

"Die ersten Ergebnisse in unserem Herzzentrum sind gut und vielversprechend. Voraussetzung ist allerdings eine genaue Evaluation der Patienten und die Klärung zwischen Anästhesisten, Kardiologen und Herzchirurgen, welche Methode individuell für welchen Patienten die Geeignetste ist", so Karl-Heinz Tscheliessnigg, Vorstand der Uniklinik für Chirurgie. Aus seiner Sicht ist der Einsatz der Methode für Patienten unter 70 bis 75 Jahren allerdings "wenig geeignet, denn es gibt keine Daten, wie lange die kardiologisch eingepresste Klappe funktionstüchtig bleiben kann".

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