H1N1: WHO wehrt sich gegen Übertreibungsvorwürfe

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Vorwürfe zurückgewiesen, im Falle der "Neuen Grippe" ("Schweinegrippe") zu alarmistisch vorgegangen zu sein. Nach Ansicht von WHO-Direktorin Margaret Chan ist die Welt noch nicht für einen stärkeren Erreger als das Virus H1N1 gewappnet.

"Die WHO hat sich für eine sehr vorsichtige Vorgehensweise entschieden, trotz der Tatsache, dass es sich um die erste Pandemie seit vier Jahrzehnten gehandelt hat", sagte Chan in einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps". Sie hätte nie die Pandemiestufe ausgerufen, wenn sie nicht über solide Argumente verfügt hätte.

Im Falle der Schweinegrippe-Epidemie sei es klar gewesen, dass sich das Virus dauerhaft in mehr als zwei Kontinenten festgesetzt habe. "Wir sind dann alle zum gleichen Schluss gekommen und haben den Entschluss einstimmig gefasst, am 11. Juni 2009 die Pandemiestufe auszurufen", sagte die WHO-Chefin.

Bei der "Neue Grippe"-Epidemie sei die WHO viel überlegter und sorgfältiger vorgegangen als etwa bei der SARS-Epidemie 2003, obschon das Ausmaß der Ansteckungen massiv größer gewesen sei. Die Pläne für Alarmierung und Diagnose seien in vielen Ländern nun viel schneller auf die Beine gestellt worden, sagte die chinesische Medizinerin in der Dienstagsausgabe der Zeitung.

Trotzdem sei man im Kampf gegen solche Pandemien noch nicht ausreichend vorbereitet. Ohne eine genaue Beobachtung von Tierseuchen gehe es nicht mehr, seien doch drei Viertel der neu aufgetauchten menschlichen Krankheiten aus der Tierwelt gekommen. Sie hoffe aber überhaupt nicht, dass die Welt sich je mit einer durch ein Vogelgrippevirus ausgelösten Pandemie konfrontiert sehe.

Die WHO-Chefin ist noch nicht gegen die Schweinegrippe geimpft. Sie habe ihre Ärzte jedoch bereits gebeten, zu erkunden, wo sie sich impfen lassen könne, sagte Chan vor Journalisten in Genf.

Sie werde sich "auf jeden Fall" noch impfen lassen, sei jedoch $gerade erst aus den Ferien zurückgekehrt. Sie betonte, dass sich bereits viele ihrer WHO-Kollegen hätten impfen lassen.