Priorisierte Impfungen bei medizinischem Personal

H1N1-Impfpläne nur teilweise fertig

Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) für die Zulassung des Schweinegrippe-Impfstoffs "Celvapan" von Baxter vom vergangenen Freitag (2. Oktober) kommt langsam Bewegung in die Immunisierungs-Pläne von Behörden und Ämtern.

Die Zulassung der Vakzine durch die EU-Kommission dürfte unmittelbar bevorstehen. Österreich will erst nach der Genehmigung für den Markt über eine Order entscheiden und hat 16 Millionen Dosen bei Baxter bisher nur vorbestellt. Bei einem endgültigen "Ja" obliegt die Verteilung des Impfstoffes unter anderem den Landessanitätsdirektionen. Zum Teil haben diese ihre Maßnahmen für Impfstraßen fertiggestellt, manche beschäftigen nach wie vor offenen organisatorische und finanzielle Fragen.

Prinzipiell gilt: Bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte werden zu Beginn priorisiert geimpft, danach folgt der Rest der Bevölkerung. Solche Schritte sind laut Landessanitätsdirektor Christoph Neuner beispielsweise in Tirol vorgesehen. Logistische Fragen sollen bei einem "Gipfel" der Landessanitätsdirektionen am 7. Oktober im Gesundheitsministerium in Wien geklärt werden, erklärte Neuner gegenüber der APA. Völlig unklar sei vorerst noch, wer bzw. ob für die Impfung gezahlt werden muss. Dies sei noch Gegenstand von Verhandlungen mit dem Bund.

In Tirol werde die Verteilung gemeinsam mit der Ärztekammer organisiert, so Neuner. Etwa 20.000 Personen arbeiten in Gesundheitsberufen und werden zu Beginn bevorzugt immunisiert, 4.000 davon seien Ärzte. Unklar sei, wie groß der Tiroler Anteil an den in Österreich verfügbaren Impfstoffen sein werde, meinte Neuner. Er rechne nicht damit, dass sofort 20.000 Dosen zur Verfügung stünden. Der Landessanitätsdirektor appellierte dennoch an den Gesundheitssektor, sich jedenfalls für Impfungen zu melden.

Auch der Vorarlberger Gesundheitslandesrat vermutet, dass eine Impfung nicht sehr rege in Anspruch genommen werden könnte. "Wir hatten in Vorarlberg bei der Schweinegrippe bisher einen sehr milden Verlauf und auch nur sehr wenige Infizierte, in den vergangenen Wochen gar keine mehr", erklärte er gegenüber der APA. Sobald der Impfstoff in Österreich erhältlich ist, soll wie in Tirol gemäß dem Pandemie-Plan zunächst dem Gesundheitspersonal eine Verabreichung auf freiwilliger Basis angeboten werden. Insgesamt handle es sich in Vorarlberg dabei um tausende Personen, allein in den Spitälern seien es etwa 3.300.

Für Krankenhausmitarbeiter werde die Impfungen im Spital erhältlich sein, das Gesundheitspersonal könne sich bei niedergelassenen Ärzten schützen lassen, erklärte der Landesrat. "Das haben Gebietskrankenkasse und Ärztekammer so abgesprochen." Aufgrund der zu erwartenden Knappheit werde eine Immunisierung aber nicht bei allen niedergelassenen Ärzten möglich sein. Sollte die Notwendigkeit bestehen, die Impfung zu einem späteren Zeitpunkt auch auf weitere Bevölkerungskreise ausdehnen zu müssen, "so haben wir auch diesen Fall durchgeplant", so Wallner.

In Oberösterreich rechnet man ab Anfang November mit einem Impfbeginn, der sich zunächst auf rund 55.000 Schlüsselkräfte im Gesundheits- und Altenpflegebereich beschränken wird. Diese Gruppe werde dann befragt, ob sie von dem Angebot Gebrauch machen wollen, erkläre Landessanitätsdirektor Stefan Meusburger. Aus den Rückmeldungen werde man sehen, wie viel Impfstoff benötigt werde. Verabreicht wird dieser in den Außenstellen der Gebietskrankenkasse, in den Bezirkshauptmannschaften und den Magistraten.

In einer zweiten Phase sollen dann Risikopatienten an der Reihe sein. Hier gebe es noch Gespräche mit der Ärztekammer über das genaue Prozedere. Ob anschließend die Impfung der restlichen Bevölkerung folge, werde man sehen, so Meusburger.

In NÖ, Kärnten und Salzburg in Arbeit

In der Steiermark rechnet Landessanitätsdirektor Odo Feenstra frühestens am 19. Oktober mit einer Lieferung des Impfstoffes. In den ersten beiden Wochen werde nur das Gesundheitspersonal immunisiert, danach folgen Risikogruppen und andere Interessenten. Feenstra erklärte, dass es in Graz drei Verabreichungs-Zentren geben werde: Im Gesundheitsamt des Magistrats, bei der Steirischen Gebietskrankenkasse und in der Landessanitätsdirektion.

Außerhalb der Landeshauptstadt übernehmen die Gesundheitsreferate der Bezirkshauptmannschaften die Impfungen. Gesondert ausgegeben werden Pakete an größere Institutionen wie etwa die Krankenanstalten oder die diversen Rettungsdienste. Diese müssen laut Feenstra Aufzeichnungen über die Impfungen führen.

Auch im Burgenland soll die Schweinegrippe-Impfung in zwei Tranchen in den Krankenhäusern sowie in den Bezirkshauptmannschaften durchgeführt werden, hieß es aus dem Büro von Gesundheitslandesrat Peter Rezar (S) auf APA-Anfrage. Zu Beginn werden das Gesundheitspersonal sowie Risikogruppen immunisiert, dann die restliche Bevölkerung. In den Bezirkshauptmannschaften will man für diesen Zweck Impfstraßen mit E-Card-Terminals errichtet.

In den restlichen Bundesländern wird an den genauen Impfplänen noch gefeilt: Niederösterreich erhebt derzeit bei einzelnen Institution wie in Krankenhäusern, bei mobilen Diensten, Ärzten und Apotheken, wer sich impfen lassen will, so Landessanitätsdirektor Alfred de Martin. "Daher kann noch nicht gesagt werden, wer wo geimpft wird." Das Personal der Landeskliniken werde jedenfalls von Spitalsärzten geimpft.

Auch in Kärnten gibt es noch keinen konkreten Maßnahmenkatalog: "Es sind noch viele Fragen offen", betonte Elisabeth Oberleitner, stellvertretende Landessanitätsdirektorin. "In der Peripherie und den Bezirken sind Impfzentren einzurichten, die Krankenanstalten und das Rote Kreuz werden auf ihre eigene Logistik zurückgreifen." Derzeit gebe es Gespräche mit der Kärntner Gebietskrankenkasse und dem öffentlichen Gesundheitsdienst. Kärnten möchte als erste Lieferung 28.000 Dosen des Impfstoffes bestellen, danach wöchentlich 12.000 Einheiten. Details würden erst kommenden Donnerstag bei der Impflogistik-Koordinationssitzung besprochen.

In Salzburg wird laut Behörde seit Wochen über die Schweinegrippe-Impfung beraten. Es wurden alle Krankenhäuser angeschrieben und Erkundigungen eingeholt, wer bereit wäre, außer dem eigenen Personal auch andere Menschen zu versorgen. Die Erhebungen, wie und wo Impfungen durchgeführt werden, sind noch im Gange, erklärte Landessanitätsdirektor Christoph König.

Bedeckt zeigte man sich bezüglich der Impfmaßnahmen in Wien: Alle Pläne seien ausgearbeitet und man stehe in den Startlöchern, unterstrich man auf APA-Anfrage im Gesundheitsamt. Mit den Details an die Öffentlichkeit könne man aber erst dann gehen, wenn das Gesundheitsministerium Grünes Licht für den Impfstoff gebe.