03. Februar 2010 12:45
GlaxoSmithKline steigt bei Penningers Apeiron ein
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) steigt bei dem vom Chef des Instituts für molekulare Biotechnologie, Josef Penninger, gegründeten Unternehmen Apeiron Biologics mit einer Minderheit ein. Vergangenen Freitag (29. Jänner) wurde auch eine Lizenzvereinbarung geschlossen, die meilensteinabhängig Zahlungen bis zu rund 236 Mio. Euro vorsieht, wenn das entwickelte Produkt - APN01 - für die Behandlung des Lungenversagens (ARDS) in mehreren Anwendungsgebieten zugelassen wird.
GlaxoSmithKline steigt bei Penningers Apeiron ein
© oe24

Zunächst erhält Apeiron rund 12,5 Mio. Euro. Im Falle eine Vermarktung soll es auch noch eine Umsatzbeteiligung geben. Bei APN01 handelt es sich um gentechnisch hergestelltes Angiotensin Converting Enzyme (ACE2). Penninger hat - zum Teil noch in den USA - klären können, dass es einen schützenden Effekt gegen für Patienten gegen potenzial katastrophale Folgen von Infektionen und Entzündungen auf die Lunge hat.

Patienten mit Sepsis, nach schwersten Verletzungen, Anthrax- oder auch Influenza-Infektionen können im Rahmen eines sogenannten "Zytokin-Sturms" mit einer entzündlichen Überreaktion die Lungen versagen. Dagegen selbst gibt es noch keine ursächliche Behandlung. Jährlich sind davon weltweit Millionen Menschen betroffen. Die Sterblichkeit beträgt zwischen 30 und 50 Prozent. Dies soll sich mit dem geplanten Medikament ändern. Auch im Rahmen der Schweine-Grippe-Welle gab es solche Patienten in österreichischen Spitälern.

GSK hat vor einiger Zeit mit einer ähnlichen Vereinbarung mit dem Wiener Biotech-Unternehmen Affiris über die Entwicklung von Alzheimer-Impfungen und einem Rahmen von bis zu mehr als 430 Mio. Euro für Aufsehen gesorgt. Der Konzern ist auch bei dem Wiener Impfstoffunternehmen Intercell AG engagiert.

Apeiron wurde Ende 2003 von Penninger gegründet. Das Unternehmen hat nicht mehr als 14 Mitarbeiter und ist am Campus Vienna Biocenter ansässig. Bisher wurden 10,2 Mio. Euro Mittel aufgebracht. An Eigenkapital investierten Private 6,7 Mio. Euro. Über Förderungen kamen 3,5 Mio. Euro herein.

Mittel im Test gut verträglich

Die Entwicklung des neuen Medikaments wird jetzt unter der Ägide von GSK weiter laufen. Vorstandsvorsitzender Hans Loibner: "Eine klinische Studie der Phase I wurde in der Schweiz beendet." Dabei erhielten mehr als 20 gesunde Probanden das gentechnisch erzeugte ACE2. Das Mittel wurde gut vertragen. Loibner: "Bis zum Marketing wird es allerdings noch acht bis zehn Jahre dauern." Loibner ist einer der versiertesten Biotech-Manager. Vor Jahren war er federführend an der Entwicklung von Krebsimpfstoffen beteiligt (Igeneon). Im Hintergrund von Apeiron stehen aber auch Experten wie Peter Swetly, ehemals Biotech-Entwicklungschef von Boehringer Ingelheim in Wien.

Evelyn Schödl, General Managerin von GSK in Österreich - der Konzern ist international an zweiter bis dritter Stelle der größten Pharmakonzerne: "Wir haben eine der besten Pipelines mit Produkten in den letzten Phasen der Entwicklung. In den vergangenen Jahren haben wir begonnen, vermehrt Projekte in frühen Stadien (auswärts, Anm.) zu finden. Es sind im Jahr nicht mehr als 15, drei davon jetzt in Österreich." GSK übernimmt an Apeiron nur eine Minderheit. Das Biotech-Unternehmen will seine weiteren Projekte vorantreiben. Dazu gehören Erkenntnisse, wonach man bei Tieren entdeckt hat, dass ein Gen zur spontanen Abstoßung von Krebstumoren führen kann.