Forscher begraben Schweine lebendig im Schnee

"Die Wissenschafter sollen sich selbst eingraben, ihre Kollegen dürfen dann die Ergebnisse auswerten", war der Vorschlag des Österreichischen Tierschutzvereins in einer Aussendung. Schweine in einer Lawine zu begraben damit sie darin sterben würden, sei "einer der widerwärtigsten Tierversuche, der jemals in Österreich durchgeführt wurde." Die Tiere würden "nur ruhiggestellt werden und müssten das Grauen von Anfang bis zum Schluss miterleben". Dieser "unsinnige Versuch diene einzig und allein der Profilierung einiger Wissenschafter", meinte der Verein.

Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, sprach dabei von "Barbarei". Sie kritisierte das "mangelnde Gefühl mancher Wissenschafter, was ethisch vertretbar ist und was nicht". "Diese Versuche sind ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Zugang zur Wissenschaft", zeigte sich Petrovic in einer Aussendung bestürzt.

Einen "sofortigen Abbruch der Experimente" forderten die Grünen in ihrer Stellungnahme. Dass Schweine von einer simulierten Lawine verschüttet würden und die Tiere ums Leben kämen widerspreche allen ethischen Grundsätzen, die bei Tierversuchen einzuhalten seien, erklärte die Tierschutzsprecherin Christiane Brunner. Für sie sei es unbegreiflich, dass diese Experimente von einer Ethikkommission genehmigt worden waren.

Als "moralisch äußerst bedenklich" bezeichnete der Tiroler Tierschutzreferent und LHStv. Anton Steixner (V) das Begraben lebendiger Schweine unter den Schneemassen. Er sei über diese "sonderbare Methode der Universität Innsbruck" überrascht und stelle sich die Frage, ob wissenschaftliche Erkenntnisse ein derartiges Vorgehen rechtfertigen. Steixner habe weder von den Tierversuchen im Ötztal, noch von den ethisch bedenklichen Methoden des Experiments gewusst. Er sei verärgert und distanziere sich von derartigen experimentellen Methoden.

Forscher wollen Tierversuch in Tirol fortsetzen

Das Lawinenexperiment mit 29 lebenden Schweinen im Tiroler Sölden wird laut der Projektleiter, dem Zentrum für Notfallmedizin Bozen sowie der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin in Innsbruck fortgesetzt. "Aus tierethischer Sicht wäre es unsinnig, den Versuch abzubrechen", sagte Hermann Brugger vom Projektteam gegenüber der APA. Weil ansonst die Tiere umsonst gestorben wären, rechtfertigte er am Donnerstag. Tests seien vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung genehmigt worden.

Ziel sei es, die medizinische Versorgung von Lawinenverschütteten zu verbessern und adäquate Sicherheitsausrüstungen zu entwickeln, um die Überlebenschancen der Opfer zu erhöhen. Über den "einzigen, einmaligen Tierversuch" komme man nicht hinweg, weil man aus den Ergebnissen Schlüsse zum Retten von Menschenleben ziehen könne. Mehr Personen würden überleben, versicherte Brugger von der Medizinischen Universität Innsbruck.

"Zwanzig Prozent der Lawinenopfer haben eine Atemhöhle", teilte der Experte mit. Bei den Versuchen solle erforscht werden, wie diese Bedingung sich auf die Überlebenschance von Menschen auswirke. Bei den sich aus der Mindestfallzahl resultierenden 29 Tests mit lebenden Schweinen werden diese unter einer Schneedecke eingegraben. "Die Tiere werden im Stall sediert, schlafen während des Transportes, werden in Narkose versetzt und mit Schnee bedeckt", erklärte Brugger, mitunter auch Leiter des Zentrum für Notfallmedizin Bozen. Ein Teil der Schweine würde ins Freie atmen, die anderen in Atemhöhlen mit zwei unterschiedlicher Volumina. Die Tiere würden nicht mehr aufwachen, die Tierethikkommission habe das Forschungsprojekt genehmigt.

Diese Tests bildeten das Ende einer seit 20 Jahren andauernden Forschungslinie. "Wir haben Jahre versucht, ohne Tierversuch zu den Forschungsergebnissen zu kommen", schilderte Brugger. Bereits vor acht Jahren habe man einen Humanversuch mit einer Atemhöhle durchgeführt. Um realistische Bedingungen in der Natur vorzufinden, sei man auch jetzt ins Lawinenfeld gegangen.

Brugger zeigte einerseits Verständnis für die Tierschutzorganisationen, unterstrich aber andererseits die wichtigen Forschungsergebnisse, die von internationaler Bedeutung sein werden. Überall dort, wo Lawinenunfälle stattfinden, würde man davon profitieren. Bereits seit vergangenen Montag befanden sich die Wissenschafter im Ötztal, noch bis 22. Jänner solle das Projekt andauern.

Sowohl die Medizinische Universität Innsbruck als auch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) stellten sich hinter das Experiment. "In Österreich sind Tierversuche nur unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen und strengen Auflagen zulässig", hieß es in einer Aussendung aus Wien. Bei diesem Forschungsprojekt seien sowohl die formalen als auch die wissenschaftlichen Kriterien von mehreren Stellen eingehend geprüft und genehmigt worden. Kontrollorgane des BMWF sollen in den kommenden Tagen vor Ort sein.

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