Aufregung um Todesfälle wegen Listerien in Käse

Den ersten Erkrankungsfall gab es laut Ulrich Herzog, Bereichsleiter Verbrauchergesundheit im Gesundheitsministerium, Ende Juni 2009. Die vier Todesfälle betrafen Männer im Alter von 57, 61, 84 sowie 88 Jahren, gab das Ministerium bekannt.

Zwei der österreichischen Opfer stammten aus Niederösterreich, einer aus dem Burgenland und einer aus Wien. Bis auf einen hatten alle Männer schwere Vorerkrankungen. Die Todesfälle in Deutschland traten im Bundesland Baden-Württemberg auf. Insgesamt hat es im vergangenen Jahr in Österreich zwölf Erkrankungen gegeben, die auf diesen Stamm zurückzuführen sind; heuer waren es zumindest drei. Bei sechs von acht weiteren Fällen aus diesem Jahr ist die Abklärung noch nicht abgeschlossen. Betroffen sind alle Bundesländer außer Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich.

Ein Viertel aller Erkrankungsfälle endet tödlich

Laut Franz Allerberger von der AGES handelt es sich bei dem auf ein- und denselben Bakterienstamm zurückzuführenden Ausbruch ab Ende Juni um den ersten seit 1986. Sonst traten Fälle auf, die durch verschiedene Erreger verursacht wurden. In der Regel verläuft ein Viertel aller Erkrankungsfälle tödlich.

Der betroffene Betrieb Prolactal in der Oststeiermark wurde laut Gesundheitsministerium im vergangenen Jahr zweimal routinemäßig überprüft, im Jänner und im Mai. Dabei wurden keine Überschreitungen von Listerien-Grenzwerten festgestellt.

Schwere Vorwürfe erhob eine der APA-Redaktion namentlich bekannte Informationsquelle, was die Hygiene des Unternehmens Prolactal betrifft. Bereits seit Herbst vergangenen Jahres hat die Firma über positive Proben aus ihren Produkten Bescheid gewusst. Diese seien demnach auch vereinzelt über den Grenzwerten gelegen.

Der Informant berichtete vom "schlampigen" Umgang mit Hygiene und erklärte, dass im Betrieb seit den ersten zu hohen Werten intensiv, aber erfolglos nach der Kontaminationsursache gesucht werde. Von der Pressesprecherin des Unternehmens hieß es hingegen auf APA-Anfrage, dass die Proben unter den Grenzwerten gewesen seien. Der Informant sprach davon, dass schon damals die Produktion eigentlich hätte stillgelegt werden müssen.

Mitarbeiter als "Testpersonen" für abgelaufene Produkte

Neben der Listerien-Verseuchung sollen die hygienischen Bedingungen teilweise "schlampig" sein, berichtete die Quelle. Der Topfen und andere Rohstoffe würden oft "billigst im Ausland gekauft" und in schmutzigen Verpackungen geliefert. Mitarbeiterinnen mussten bereits abgelaufenen Quargel kosten und auf seine Genießbarkeit beurteilen. Das Unternehmen wies den Vorwurf entschieden zurück und meinte, dass die Mitarbeiter keine "Testpersonen" seien. Doch hätten sie oft über Grippesymptome und Übelkeit geklagt, so der Informant, der meinte, dass dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Bakterien von den Mitarbeitern mitverzehrt wurden.

Von Unternehmensseite hieß es auf Nachfrage, dass quasi ständig positive Proben gezogen würden, diese aber stets unter den Grenzwerten gelegen seien. Erst als amtliche Untersuchungen am 22. Jänner überhöhte Werte lieferten, habe man umgehend gehandelt und die Rückholaktion gestartet. Wie es trotz Überprüfung "jeder einzelnen Charge" zu den Todesfällen habe kommen können, konnte man sich bei Prolactal nicht erklären.

Die Geschäftsführung des betroffenen Käseherstellers zeigte sich in einer schriftlichen Reaktion "erschüttert über die Krankheitsfälle, bei denen der Verdacht über einen Zusammenhang mit dem Verzehr des Sauermilchkäses besteht". Die Produktion im steirischen Hartberg bleibe solange eingestellt, bis die Ursachen restlos geklärt seien, hieß es in der nicht namentlich gekennzeichneten Aussendung.

Unklar ist, auf welche Weise der Listeriose-Erreger in die Produktion kam. "Mitte 2009 muss dort irgendwas passiert sein - was, wissen wir nicht", sagte Allerberger von der AGES.

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