Angst wegen Schließung ärztlicher Hausapotheken

Ärztekammer NÖ in Sorge um Landmedizin

Die Ärztekammer NÖ befürchtet eine "Ausdünnung der Landmedizin". Grund sei die derzeitig gültige Apothekengesetzgebung, betonten Präsident Christoph Reisner und Kollegen in einem Pressegespräch in Wien. Die damit verbundene Schließung ärztlicher Hausapotheken werde zu einer Verschlechterung der Versorgung der Bevölkerung führen.

Sorgen bereite der Ärzteschaft vor allem die seit 2006 gültige "Fortführungsregelung". Der Gesetzesteil sehe vor, dass bei Übergabe einer hausärztlichen Ordination an einen Praxisnachfolger der Mindestabstand zur nächsten öffentlichen Apotheke für eine Neubewilligung der Hausapotheke auf sechs Kilometer ansteigt, so Reisner. Bei bestehenden Einrichtungen seien es vier Kilometer.

Obwohl sich der Präsident der NÖ Ärztekammer dafür aussprach, dass die Kilometergrenze fallen müsse, trat er gleichzeitig für "vernünftige gesetzliche Regelungen" ein, "um Hausapotheken und Apotheken nebeneinander bestehen zu lassen". Es gehe nicht um eine Konkurrenzsituation, sondern um eine Lösung, die für Apotheker, Ärzte "und vor allem für die Patienten lebbar ist".

"Wir wollen ein friedliches Nebeneinander", betonte der Medikamentenreferent der Ärztekammer, Wolfgang Geppert. Gebe es in der Frage der Hausapotheken keine Lösung, werde es mit der landärztlichen Versorgung rapid bergabgehen, so seine Befürchtung.

Bereits in den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der ärztlichen Hausapotheken in Österreich von 964 auf 930 zurückgegangen, merkte Gerhard Imb an. Weitere 255 seien in den kommenden Jahren gefährdet. "Medikamente gehören zum Arzt wie das Stethoskop", so der Hausapothekenreferent der Ärztekammer NÖ.

Reisner forderte von der Politik, darauf zu hören, "was sich die Menschen wünschen". Laut einer Umfrage seien selbst in Wien 48 Prozent der Patienten für die Medikamentenabgabe beim Arzt. Auch dürfe es nicht sein, dass eine Hausapotheke wie in Arzl im Pitztal schließen habe müssen, weil der vorgesehene Mindestabstand zur nächsten öffentlichen Apotheke um 150 Meter zu gering gewesen sei, sagte Imb.