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Weltweit 17 Prozent weniger HIV-Infektionen

"Die gute Nachricht ist, dass der Rückgang, den wir sehen, zumindest teilweise auf Vorbeugung zurückgeht", sagte Michel Sdibé, Exekutivdirektor des UN-Aids-Programms UNAIDS. Doch gingen Vorsorgeprogramme häufig auch am Ziel vorbei und müssten wirksamer ausgerichtet werden.

10 Prozent weniger Tote in fünf Jahren

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Aids-Toten um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, während immer mehr Menschen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten bekommen haben. Damit seien seit 1996 schätzungsweise 2,9 Millionen Menschenleben gerettet worden. Internationale und nationale Investitionen in HIV- Behandlungen hätten sich ausgezahlt, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf. Doch im vergangenen Jahr - so die Zahlen - sind immer noch zwei Millionen Menschen an der Krankheit gestorben. Seit Beginn der Aids-Pandemie haben sich rund 60 Mio. Personen infiziert, 25 Millionen sind an der Immunschwäche gestorben.

Im vergangenen Jahr haben sich 2,7 Millionen Menschen neu mit dem Virus infiziert. In Afrika südlich der Sahara waren es allerdings 15 Prozent weniger im Vergleich zu 2001. In Ostasien gingen seitdem die neuen HIV-Infektionen um 25 Prozent und in Süd- und Südostasien um zehn Prozent zurück. UNAIDS-Exekutivdirektor Sibidé erklärte, auf zwei neue Aids-Behandlungen kämen aber immer noch fünf neue Infektionen. 97 Prozent der neuen Ansteckungen erfolgten in Entwicklungsländern, wo es auch 98 Prozent der Aids-Toten gebe. Der Grund sei vor allem der mangelnde Zugang zu Gesundheitsdiensten.

An vielen Orten verändere sich die Epidemie, so dass Vorsorgeprogramme sich nicht schnell genug anpassen könnten. Zum Beispiel seien die Infektionsursachen in China, wo Aids früher vor allem unter Drogenabhängigen vorgekommen ist, heute zu drei Viertel Sexualkontakte. Es gebe einen überraschend starken Anstieg der Infektionen unter männlichen Homosexuellen, die heute 32 Prozent der neuen Fälle ausmachten. Infektionen durch heterosexuelle Kontakte machten inzwischen 40 Prozent aus. Nur eine von drei HIV-Infektionen wird in China aber auch diagnostiziert.

Hoher Anteil an unerkannten HIV-Infektionen in Österreich

Pro Jahr wird in Österreich bei rund 500 Personen eine HIV-Infektion neu erkannt. Doch bei einem Drittel der Betroffenen wird die Infektion sehr spät, bei rund der Hälfte spät diagnostiziert. Jahrelange Infektiosität vorher und ein schwer geschädigtes Immunsystem sind die Folge. Ein neuer beim niedergelassenen Hausarzt durchführbarer einfacher Schnelltest auf HIV soll hier ein niederschwelligeres Angebot bringen, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Wir glauben, dass der Schnelltest für die Behandlung von Patienten und für die epidemiologische Situation von entscheidender Bedeutung sein kann. Damit könnten auch die jährlich rund 500 Neuinfektionen reduziert werden", sagte Norbert Vetter, Vorsitzender des HIV/Aids-Ausschusses des Obersten Sanitätsrates.

Die Crux: Nach einem Risikoverhalten - die meisten Fälle der Übertragung der Aids-Erreger findet über sexuelle Kontakte statt - kommt es im Rahmen der Infektion zwar oft vorübergehend zu völlig unspezifischen Symptomen (Hautausschlag, Fieber etc.), doch dann kann eine HIV-Infektion viele Jahre lang symptomlos verlaufen. Und viele Betroffene kommen deshalb viel zu spät in Behandlung - und waren genauso lang ein Risiko für ihre Partner.

Christian Zagler, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Aids-Gesellschaft: "33 Prozent der neu Diagnostizierten HIV-Positiven haben nur noch weniger als 200 CD4-Zellen (pro Kubikmillimeter Blut), 50 Prozent weniger als 350 CD4-Zellen." Das bedeutet eine bereits massive Schwächung des Immunsystems. Viele der Betroffenen kommen auch erst zum Arzt bzw. zum Test, wenn potenziell gefährliche opportunistische Infektionen (Lunge, Gehirn) aufgrund der eingetretenen Immunschwäche aufgetreten sind.

Patienten kommen zu spät

Das wäre nicht notwendig. Vetter: "Die Patienten kommen zu spät, um die vollen Möglichkeiten der hoch aktiven antiretroviralen Therapie ausschöpfen zu können." In guter Behandlung haben HIV-Positive heute eine fast normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität. Ihr Immunsystem kann sich wieder erholen. Die frühzeitig und optimal Therapierten sind auch kaum mehr ein Infektionsrisiko für ihre Partner.

Doch bisher gab es für die Bestimmung des HIV-Status fast ausschließlich Labortests, deren Ergebnisse erst nach einiger Zeit vorlagen. Der Pneumologe: "Ein Viertel der Getesteten holt den Befund im Labor nicht ab."

Ändern soll das jetzt ein vom Pharma- und Diagnostikkonzern Abbott angebotener Schnelltest. Er ist bei jedem niedergelassenen Arzt leicht durchzuführen. In Österreich dürfen HIV-Tests nur in "medizinischen Settings" - also beim Arzt, im Labor, Krankenhaus oder in Beratungsstellen mit entsprechender Expertise - erfolgen. Der Vorteil laut Thomas Szekeres, Laborexperte am Wiener AKH: "Das Testergebnis liegt binnen 15 bis 30 Minuten vor."

Das Test-Kit erlaubt den Nachweis von HIV-Antikörpern sowie des HI-Virus-Proteins p24. "Schnelltest", heißt aber schnelles Vorliegen des Resultats und nicht frühere Erkennung einer Infektion. Das "diagnostische Fenster" zwischen einem Risikoverhalten bezüglicher der Übertragung der Aids-Erreger (ungeschützter Geschlechtsverkehr, Spritzentausch beim Drogenkonsum) beträgt weiterhin bis etwa drei Wochen. Erst dann spricht das Verfahren an. Doch für Menschen, die ihren HIV-Status kennen wollen und sich in der symptomlosen Phase befinden, kann der Test beim Arzt des Vertrauens nun leicht erreichbar sein.

Aids-Aktivist Günter Tolar: "Es herrscht nach wie vor Stigmatisierung der Betroffenen. Man tut gut daran, mit der Information eines HIV-positiven Status in Österreich vorsichtig umzugehen." Der Test beim Hausarzt biete da die Möglichkeit besserer Vertraulichkeit. Dem ehemaligen ORF-TV-Moderator wurde vergangenes Jahr ein falsch positiver HIV-Test in einem Wiener Spital einfach per Telefon mitgeteilt. Nichts war dran. Und laut Tolars Klienten sprechen sich positive HIV-Tests auch schnell beim Arbeitsmarktservice (AMS) herum. Woher das kommt, so der Aktivist, wisse niemand.

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