Welt-Diabetes-Tag: Hohe Dunkelziffer in Österreich

"Es gibt in Österreich knapp 600.000 Diabetiker, 420.000 Menschen wissen von ihrer Krankheit, weitere 170.000 nicht. Diese Zahlen sind ein Auftrag an alle Akteure im Gesundheitswesen, rasch den Kampf gegen diese fortschreitende chronische Krankheit anzugehen", erklärte der Wiener Diabetologe Bernhard Ludvik, Sprecher der Diabetes Initiative Österreich, in einer Aussendung.

Sein Kollege Raimund Weitgasser, nächster Präsident der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft, bei dem Besuch in der Präsidentschaftskanzlei: "Wir sind ehemals bei den Diabetikern von drei Prozent der Bevölkerung ausgegangen. In den letzten 15 bis 20 Jahren hat sich die Zahl aber nahezu verdoppelt. Bei fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung ist die Krankheit diagnostiziert, bei zwei Prozent nicht."

Bundespräsident Heinz Fischer betonte bei dem Besuch der Initiative, dass die Zuckerkrankheit ein wichtiges Thema sei: "Man könnte relativ leicht helfen, wenn man früh etwas tut. (...) Wenn aus den fünf Prozent (Diabetiker-Anteil an der Bevölkerung, Anm.) vier Prozent werden, könnte man schon etwas erreichen."

Das österreichische Gesundheitswesen reagiert offenbar nur etwas träge auf diese Entwicklung, dass immer mehr Menschen zuckerkrank werden. Es gibt seitens des Gesundheitsministeriums zwar eine eigene Leitlinie für Diabetes-Behandlungs-Programme. Die Umsetzung und Ausrollung von entsprechenden Programmen, wie "Therapie-Aktiv" läuft aber schleppend, stellte die Initiative fest. Laut aktuellen Umfragedaten von GfK weiß überhaupt nur jeder fünfte diagnostizierte Diabetiker (19 Prozent) in Österreich, dass es spezielle Programme zur optimalen Betreuung von Diabetikern gibt, das entspricht etwa 80.000 Personen. Nur neun Prozent der Betroffenen sind in einer solchen Betreuung. Das sind etwa 38.000 Personen.

Einen Rückschlag erlitt das Programm erst vor kurzem, als die NÖ-Ärztekammer die Mitwirkung aufkündigte. "Dass nicht einmal zehn Prozent der Diabetikerinnen und Diabetiker optimal betreut werden, ist ein alarmierendes Zeichen und ein dringender Handlungsauftrag", so Ludvik.

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