Grazer Augenklinik forscht an künstlichem Sehen

Wie viel die Patienten mit einem Retinaimplantat tatsächlich sehen können, ist an der Grazer Universitäts-Augenklinik Thema der ersten multizentrischen Anwendungsstudie, die "in zwei oder drei Jahren" abgeschlossen sein wird. Das neue Sehen werde vermutlich "von Lichterkennung bis zur Erkennung von Umrissen" reichen", schilderte Michaela Velikay-Parel, Leiterin des Forschungszentrums AVC (Artificial Vision Center) an der Med-Uni. An der Anwendungsstudie für Implantate zweier Firmen sind zwei europäische (neben Graz noch eine Gruppe aus Tübingen) und eine amerikanische Forschungsgruppe beteiligt.

Erster Schritt: Chipimplantat

Die neue Technologie zur Verbesserung des Sehvermögens beginnt mit einer Chip-Implantation in einer aufwendigen Operation. Nach diesem Schritt - die Grazer Klinik hat bisher schon bei der Entwicklung des Chipdesigns und der Entwicklung entsprechender Operationsmethoden mitgearbeitet - erfolgt die visuelle Rehabilitation. "Dafür ist eine mehrstufige Trainingsphase notwendig, die einige Monate dauert", so die Grazer Medizinerin. Das Gehirn muss quasi erst lernen, die Stimulationsreize zu einem sinnvollen Bild zusammenzufügen. Die Testmethode zur Überprüfung der Sehleistung nach der Transplantation des Implantates wird ebenfalls an der Med-Uni entwickelt.

Erste Erfahrungen der Arbeitsgruppe des AVC werden am Grazer Kongress ab dem kommenden Freitag ebenso berichtet wie neue Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie des Katarakts (sogenannter "Grauer Star"), des Glaukoms (sogenannter "Grüner Star) oder auch des diabetischen Retinopathie, die die Liste der zur Erblindung führenden Erkrankungen anführen.

Zu jedem Schwerpunkt sind internationale Key-Note-Speaker geladen. Vor allem aber soll sich der wissenschaftliche Nachwuchs der Alpe-Adria-Region präsentieren können, so Gerald Langmann, Organisator des Kongresses an der Grazer Uniklinik.

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