Die Clowndoctors feiern ihren 15. Geburtstag

Die Clowndoctors feiern ihren 15. Geburtstag

Jetzt feiert die größte derartige Institution - die "Roten Nasen" - den 15 Geburtstag. Seit 1994 sind die Clowndoctors in Österreich los, mittlerweile auch in sechs weiteren Ländern. "Clown zu sein - das ist keine Technik. Das ist ein Zustand. Das ist eine Art der Betrachtung der Welt. Das hat mit Unschuld zu tun. Der Clown muss erkennen, wo er glaubhaft scheitern kann, wo es Konflikte gibt. Clown zu sein, hat mit Selbstzweifel zu tun. Es ist eine innere Haltung", sagte Giora Seeliger, künstlerischer Leiter der Organisation in Österreich mit einer Truppe von mittlerweile 56 Künstlern. Der in Haifa in Israel geborene Schauspieler und Regisseur wuchs in Deutschland und Frankreich auf, gründete nach der Ausbildung ein eigenes Theater, war auch acht Jahr lang Lehrer am Reinhardt Seminar - um schließlich am 10. November 1994 gemeinsam mit dem Kinderpsychiater Max Friedrich und Monica Culen die "Roten Nasen" zu gründen.

"Clowns extrem gut ausgebildet"

Ab 1991 hatte es bereits die CliniClowns gegeben, wo Monica Culen - vor allem Marketing- und PR-Expertin - schon federführend am Aufbau beteiligt gewesen war. Man trennte sich - und wenig später gab's eben die "Roten Nasen". Die Geschäftsführerin der Organisation setzt auf Professionalität, da geht es nicht um Goodwill-Amateur-Aktivitäten: "Der wichtigste Teil unserer Arbeit ist natürlich die künstlerische Qualität. Unsere Clowns sind extrem gut ausgebildet. Wir stellen die Struktur zur Verfügung, dass unsere Künstlertruppe gut arbeiten kann. Das sind die Kontakte zu den Spitälern, die Ausbildung, die Supervision der Künstler. Wir wollen mit unseren Clowns nur langfristig zusammenarbeiten. Da gibt es auch Protokolle, Berichte, Workshops."

Die andere Seite sind wiederum jene Menschen, die teilweise hauptberuflich, teilweise zeitlich begrenzt, jeweils in Zwei-Personen-Teams dafür sorgen, dass in den von ihnen besuchten Institutionen die Clowns dann auch wirklich "los" sind. Seeliger: "Ursprünglich kommen sie oft aus der Schauspielerei, dem Kabarett, sie sind Zauberer oder Jongleure. Wir suchen sie in professionellen Audits aus. Es ist ein Prozess des Heranwachsens. Zunächst absolvieren sie einen Workshop für ein bis zwei Tage. Dann gehen sie fünf Mal privat mit einem Team mit, fünf weiter Male sind sie neben dem Team der dritte Clown, zehn Mal arbeiten sie dann mit einem erfahrenen Teammitglied."

Nichts ist peinlicher als ein peinlicher Clown. Und - ob im Kinderspital oder auf einer Geriatrieabteilung - Freude und Lachen zu verbreiten, ist gerade in solchen Einrichtungen eine hoch diffizile Angelegenheit. Einerseits, weil sich das Publikum oft in einer stressigen und krisenhaften Situation befindet, andererseits, weil Umfeld und Rahmenbedingungen eben nicht die perfekt auf solche Auftritte ausgerichtete Zirkusmanege ist - mit Zuschauern, die extra des Vergnügens wegen gekommen sind. Seeliger: "Da kann es schon sein, dass man als Clown plötzlich gefragt wird: 'Soll ich mir die Niere transplantieren lassen oder nicht'?" Kochrezept, wie man hier einen Dreh in Richtung Komik findet, gibt es keines. Aber das ist mit ein Grund, warum die Clown-Teams alle zwei Monate eine Supervision-Sitzung haben.

Anhaltende Wirkung bei Kindern

Aller Anfang war auch für die Roten Nasen Clowndoctors schwer. Geschäftsführerin Monica Culen: "Als wir auf die Kinderabteilungen in Spitälern kamen, war das Pflegepersonal dort zum Teil skeptisch." "Wir plagen uns da rund um die Uhr - und die kommen und nehmen uns die Aufmerksamkeit der Kinder weg", oder "Die Clowns ganserln die Kinder nur auf - und wir haben dann die Probleme", so oder ähnlich lauteten manche Einwände. Monica Culen: "Mittlerweile wissen alle, dass die Clown-Besuche für die Kinder enorm entspannend sind. Und die haben oft noch lange danach eine Hetz."

Ganz anders, wahrscheinlich noch schwieriger, sind die Clown-Auftritte vor alten Menschen, in Geriatriezentren und Altersheimen. Der künstlerische Leiter Giora Seeliger: "Wir wissen ja nicht, welches Leben der einzelne da hinter sich hat. Bei Kindern wissen wir es in etwa. Und dann sind wir ja nicht im 'lustigen Altersheim'. 70 bis 80 Prozent der Menschen in der Geriatrie leiden an Demenz. Und die müssen wir auch 'abholen'. Da sind sie wiederum ähnlich den Kindern. Wir erreichen sie, indem wir sie an etwas aus ihrer Jugend erinnern."

Bei alten Menschen ist es jeweils ein Clown und eine Clownin, die da als Team arbeiten. Sprichwörtliches "Rat mal, was zieht". Seeliger: "Die Liebe und der Sex." Monica Culen: "Man sieht während der Clown-Besuche, wie auch sonst in sich völlig zurück gezogene Menschen wieder aktiv werden." Lachen macht wieder mobil.

Statistisch belegbare Erfolgsstory

Die Sache ist auch statistisch belegbar ein Erfolgsstory. Absolvierten die Roten Nasen Clowndoctors im Jahr 1995 exakt 231 Besuche auf Kinderstationen, werden es 2009 in Österreich voraussichtlich 1.440 Einsätze sein. Hinzu kommen noch 330 Besuche in Senioren- und 165 in Rehabilitationseinrichtungen. Im Jahr 2003 wurde die gemeinnützige Dachorganisation Red Noses Clowndoctors International (RNI) von der österreichischen Organisation ins Leben gerufen. Nun gibt es diese Clowndoctors auch in Deutschland, Ungarn, der Tschechischen Republik, Slowenien und der Slowakei sowie in Neuseeland. RNI ist operativ die größte Gruppe von Spitalsclowns in Europa - mit im Jahr 2008 mehr als 4.600 Einsätzen von 172 ausgebildeten Clowns in 110 medizinischen Institutionen.

Ermöglicht wird das alles durch Spendengelder. Monica Culen: "In Österreich machen Gelder aus öffentlicher Hand ein Prozent unseres Budgets aus." Und das beträgt in der Alpenrepublik rund 3,8 Mio. Euro. Sonst gäbe es eindeutig weniger zu lachen in den betreuten Institutionen.

Service: Rote Nasen Clowndoctors Internet - http://rotenasen.at; Spendenkonto Verein Rote Nasen Clowndoctors PSK: BLZ 60000, Kontonr.: 90 990 900; Foto-Downloads unter http://www.rotenasen.at/index.php?id=181

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