Sprachstörungen

Wann muss ein Kind zum Logopäden?

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Risikokinder können schon mit zwei Jahren gut erkannt werden.

Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern sollten im frühesten Kindesalter abgeklärt und wenn nötig auch therapiert werden, empfehlen Experten des österreichischen Berufsverbandes der Logopäden "logopädieaustria". Diagnostische Verfahren ermöglichten schon bei Zweijährigen eine zuverlässige Entscheidung zwischen "Spätentwicklung" und Kindern, bei denen eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt, sagte, Verbandspräsidentin Ingrid Reitstätter-Haberl im Gespräch mit der APA anlässlich des Fachkongresses bis 9. März in Graz.

"Das wächst sich schon noch aus..."

"Das wächst sich schon noch aus, der Michael hat auch erst mit vier Jahren zu sprechen begonnen.": Mit solchen und ähnlichen Aussagen werden Eltern von Kinder oft ver- und getröstet, wenn es um Auffälligkeiten bei der Sprachentwicklung geht, so Reitstätter-Haberl. Sie warnt vor zu langem Zuwarten. Studien belegten, dass Kinder mit noch unbehandelten Sprachentwicklungsstörungen im letzten Kindergartenjahr bereits ein stark erhöhtes Risikio für die Entwicklung von Lese-Rechtschreib-Störungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen auch im Schul- und Erwachsenenalter hätten, erklärte die Logopädin. "Wer sich Sorgen macht, sollte daher nicht warten, sondern sich beraten und das Kind logopädisch anschauen lassen. Je früher eine Therapie beginnt, desto besser können Störungen verhindert, geheilt oder deren schädigende Wirkung begrenzt werden", so Reitstätter-Haberl.

Risikokinder erkennen

Inzwischen sei es möglich, im Alter von zwei Jahren Risikokinder mittels Fragebögen zu erkennen. "Diese können auch im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung eingesetzt werden und ermöglichen eine genauere Differenzierung als Fragen nach der Zahl der gesprochenen Wörter oder nach Zwei-Wort-Bildung", schilderte die Verbandsobfrau. Wenn bei genauer Abklärung bereits grobe Abweichungen auffallen, sei schon zu diesem Zeitpunkt eine logopädische Therapie "sinnvoll und auch möglich". Allerdings mangele es nach wie vor vielen Kinderärzten, HNO-Ärzten, Zahnärzten und Neurologen, die im Regelfall die Zuweisungen an die Logopäden schreiben, an Kenntnissen über den geeigneten Zeitpunkt und die entsprechenden Indikationen.

Undeutliche Sprache
"Heute sprechen 25 Prozent der Vorschulkinder undeutlich, vertauschen Laute, haben einen spärlichen Wortschatz oder Sprachverständnisprobleme", fasste Reitstätter-Haberl die ernüchternden Zahlen zum aktuellen Sprachvermögen der Kinder zusammen. Bei bis zu acht Prozent liege eine echte Sprachentwicklungsstörung vor. Die Ursachen seien vielfältig: Spracherwerb hänge entscheidend von physiologischen Faktoren ab, andererseits aber auch vom kommunikativen Umfeld des Kindes. Im stressigen Familienalltag werde oft nur mehr in Schlagwörtern statt in vollständigen Sätzen gesprochen und ältere Generationen mit langsamerem Sprachtempo - ein gutes Sprachentwicklungstraining für die Kleinen - seien nicht mehr so intensiv in die Familie eingebunden. "Und passives Berieseln über das Fernsehgerät kann echte verbale Kommunikation nicht ersetzen", betonte Reitstätter-Haberl.
 

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