So heilt die Zeit alle Wunden

Sprichwörter-Check

So heilt die Zeit alle Wunden

Ein Indianer kennt keinen Schmerz - Wer hat diesen Spruch nicht in seinen Kindertagen zum Trost eines aufgeschundenen Knies oder eines ausgeschlagenen Milchzahns gehört? Waren Sie auch so beeindruckt über die schmerzunempfindlichen Indianer? Was wirklich hinter diesen Sprichwörtern liegt behandelt jetzt ein neues Buch.

„Morgenstund ist ungesund“  von Walter Schmidt stellt unsere Sprichwörter auf den Prüfstand. Die Zeit heilt alle Wunden, Wer rastet der rostet, Alter schützt vor Torheit nicht - Diese Sprichwörter haben im ersten Moment mit Gesundheit zu tun – Aber was steckt dahinter?

Das sind die besten Sprichwörter: 1/5
Angst ist ein schlechter Ratgeber Aus Angst heraus handeln, wenn die inneren Alarmglocken läuten – etwa bei einem drohenden Beziehungs-Aus, lässt uns anders tun und handeln. Der Volksmund weiß, dass eine ängstliche Ausgangslage nicht günstig ist. Besinnen Sie sich bevor Sie Entscheidungen treffen!
Die Zeit heilt alle Wunden Die genannten „Wunden“ im  Sprichwort beziehen sich auf Emotionales, wo Pflaster und Wundauflagen versagen. Wer sich aber an seiner seelischen Verletzung festklammert, hat gute Chancen bis ans Ende seiner Tage mit einem wunden Punkt zurechtkommen zu müssen. Die Zeit heilt nicht, aber immerhin: Sie bietet Raum für Linderung.
Wer rastet, der rostet Wer nicht ständig rastet, sondern sich viel bewegt, kräftigt seine Muskulatur und verbrennt selbst im Sitzen oder Liegen und im Schlaf mehr Energie. Heute bewegen wir uns im Schnitt nur noch 600 Meter täglich – Ende des 19. Jahrhunderts waren es etwa 15 Kilometer, die sich der Mensch täglich voran bewegen musste. Fazit: Viele Zivilisationskrankheiten entstehen durch Bewegungsmangel – Das Sprichwort stimmt also!
Ein Indianer kennt keine Schmerzen Indianer kennen genauso Schmerzen wie Nicht-Indianer. Der Mythos vom knochenharten Wilden, vom echten Kerl hat wohl Hollywood erfunden bzw. eine Stelle von Karl Mays „Der Schatz im Silbersee“ anders interpretiert, in der es um rituelle Schmerzerfahrungen der Ureinwohner Amerikas geht. Schöner ist der Satz „Ein Indianer kennt keine Schmerzen“ um Tränen von Kindern zu trocknen als „Du Heulsuse, stell dich nicht so an!“.
Alter schützt vor Torheit nicht Wie wahr: Selbst der vitalste Narr wird halt nicht jünger. Angeblich geht der Spruch auf Shakespeares Drama „Antonius und Cleopatra“ zurück. Die Alternsforscherin Ursula Staudinger meint dazu: „Wir müssen auch im historischen Vergleich untersuchen, was mit Alten passiert, die immer noch gedrängt werden oder für die es stets Anreize gibt, sich mit Neuem wirklich ernsthaft auseinanderzusetzen.“ Derzeit gilt aber wohl, dass Alter vor Torheit nicht schützt.

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