So dick ‚isst‘ Österreich

Adipositas-Alarm

So dick ‚isst‘ Österreich

Knapp die Hälfte aller Österreicher ist übergewichtig. Dass es sich hier um kein lokal begrenztes Phänomen handelt, erklärt der Nährstoffexperte Mag. pharm. Norbert Fuchs so: „Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sind der Spiegel unserer Fehlernährung. In Deutschland ist der Anteil übergewichtiger Menschen noch höher, in Irland betrifft er beinahe die gesamte Nation.“ Doch nicht nur Erwachsene sind von Übergewicht geplagt: Bereits jedes fünfte Kind in Österreich ist zu dick, schlagen Experten laut einer neuen Studie Alarm. Auch dies ist auf einen gravierenden Ernährungsfehler und mangelnde Bewegung zurückzuführen.


Grundnahrungsmittel. „Gerade in den letzten Jahrzehnten ist die Zahl übergewichtiger Menschen stark in die Höhe geschnellt. Schuld daran ist die Ernährung, die sich in den letzten Jahren stark verändert hat“, weiß Mag. Fuchs. Industriell gefertigte „Laborkost“ schlägt sich über kurz oder lang auf unsere Figur, auf unser Gewicht und sogar in den Laborwerten nieder. Produkte der Lebensmittelindustrie enthalten teils Stoffe, die dem Menschen schaden. Ein gutes Beispiel sind Kartoffelchips – einmal damit angefangen, kann man kaum damit aufhören. Ausschlaggebend dafür sind Inhaltsstoffe, die auf das Sucht- und Belohnungszen­trum im Gehirn wirken. Forscher konnten dies im Versuch mit Ratten nachweisen. Hat man die Tiere mit vergleichbarem selbst erzeugten Futter gefüttert, bleibt die gesteigerte Aktivität des Belohnungszen­trums aus. Doch was können wir tun, um dieser Essensfalle zu entkommen? „Wir sollten uns“, so Ernährungsprofi Fuchs, „wieder darauf besinnen, Grundnahrungsmittel zu konsumieren. Paradoxerweise enthalten naturbelassene Lebensmittel keine Nährwert-Deklarationen: Wenn wir Äpfel, Birnen, Kartoffel, Salate oder Gemüse kaufen, suchen wir vergeblich nach Kalorientabellen. Ist auch nicht nötig, denn all diese Lebensmittel enthalten ein komplexes Angebot an hochwertigen, gesund- und lebenserhaltenden Nährstoffen in ausgewogenen Mengen“, so Mag. Fuchs.


Kalorienzählen, ein umstrittenes Thema, das nur bedingt beim Abnehmen hilft. Hierbei wären wir wieder bei der „Laborkost“. Fertigprodukte werden mit einer standardisierten Deklaration versehen, die neben Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß & Co. auch die Kalorien anführt. Doch Kalorien sind nicht gleich Kalorien, so der Nährstoffexperte: „Gerade bei Übergewicht sollte man sich nicht zu sehr auf das Kalorienzählen versteifen. Der Haken dabei ist, dass die Kalorien nichts über deren Wert aussagen. Denn es ist nicht entscheidend, wie viele wir konsumieren, sondern in welcher Qualität. Ein Beispiel: Fertiges Kartoffelpüree enthält gleich viele Kalorien wie Püree aus frischen Kartoffeln. Das Laborpüree hat allerdings nur mehr ein Zehntel des Magnesium- und Kaliumgehalts und nur mehr Bruchteile des Fasergehalts – alles Faktoren, die für eine funktionierende Verdauung erforderlich sind. Auch das Sättigungsgefühl bei Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln setzt schneller ein und das Verlangen nach weiterem Essen wird verringert. Ein positiver Effekt, um Gewicht zu reduzieren.“

Nicht die Kalorienzufuhr stillt primär den Hunger, sondern das Volumen. Als „Volumen“ nimmt unser Körper vor allem jene Nahrungsbestandteile wahr, die er nicht verdauen kann: Pektine, Lignane, Cellulose und andere unverdauliche Faserstoffe. Diese Faserstoffe ziehen Wasser an, quellen auf und vermitteln so ein nachhaltigeres Sättigungsgefühl. Die darin eingeschlossenen Kalorienträger aber werden langsamer aus dem Verdauungstrakt in das Blut abgegeben. Das hält länger satt.

Was tun? Um das Problem Übergewicht in den Griff zu bekommen oder gar nicht erst auftreten zu lassen, gibt es ­einige Tipps und Tricks des Nährstoffexperten (siehe links). Wichtig: versteckte Kalorienfallen (siehe rechts) vermeiden, den Stoffwechsel mit Bewegung ankurbeln und so gesund und nachhaltig abnehmen. Wir wünschen gutes ­Gelingen!

Die größten Kalorien-Fallen 1/7
Dass Chips & Co. in Kombination mit zu wenig Bewegung zu Übergewicht führen, ist bekannt. Doch es gibt auch Lebensmittel, bei denen wir bedenkenlos zugreifen, die jedoch Kalorienbomben sind. Folgendes sollten Sie vom Speiseplan streichen.

Versteckte Fette:
Als billiger Geschmacks- und Masseträger ist Fett in jeder Form meist in industriell hergestellten Lebensmitteln zu finden. Vor allem Käse und Mürbteiggebäck sind wahre Fettlager. Diese Transfette sind tabu. Aber Achtung: ­gesunde, natürliche Fette, wie sie in Avocados oder Nüssen enthalten sind, sind wichtig für unseren Stoffwechsel und sollten regelmäßig konsumiert werden. Wichtig: mit Maß und Ziel.
Alkohol:
Ein halber Liter Bier bringt es auf satte 200 bis 300 Kalorien, Wein sogar auf 350 bis 450. Auch der „Verdauungsschnaps“ ist mit rund 200 Kalorien pro 100 ml ebenfalls kein Schlankmacher. Studien widerlegen auch die angebliche Förderung der Fettverdauung. Daher: Finger weg!
Kaffee:

Schwarzer Kaffee ist mit null Kalorien ein wahrer Schlankmacher. Milch, Zucker und Schlagobers machen Café Latte, Macchiato oder Cappucino aber zu wahren Kalorien­bomben. Hinzu kommen Beilagen wie Kekse und Kuchen, die ­zusätzlich auf die Hüften schlagen.
Getränke:

Softdrinks und Limonaden sind wirkliche Dick­macher. Aber auch Fruchtsäfte und Nektar liegen meist weit über 40 Kalorien pro 100 g.
Saucen:

Was wäre die Grillerei ohne reichliche Saucen-Auswahl? Richtig, gesund! Denn Saucen aus dem Handel sind wahre Zuckerbomben und reich an Fett. Gegrilltes Fleisch ist dank geringem Fettgehalt als „gesund“ einzustufen.

Fertiggerichte:


Meist bringt erst ein kritischer Blick auf das Etikett Gewissheit: In Fertiggerichten stecken meist ­jede Menge Zucker und Fett.

Eis:


Gerade im Sommer möchten Mann und Frau eine gute Figur machen – das reichliche Angebot an Eis macht es einem aber nicht gerade leicht. Bei Produkten aus dem Kühlregal (Eis, Eiskaffee) ist Vorsicht geboten: Bei Zucker und Fett wird in der Produktion nicht gegeizt. Alternativ bieten sich Wassereissorten und veganes Eis an – ist kalorienärmer und erfrischt!

 

Tipps von Mag. Pharm. Norbert Fuchs
Die besten Tipps & Tricks vom Nährstoffexperten
Grundnahrungsmittel statt Convenience Food (Fertigprodukte) einkaufen. Sprich Apfel statt Apfelsaft, Kartoffeln statt Fertigpüree und Tomaten statt Tomatensuppe aus dem Packerl. Grundnahrungsmittel sind die einzig wahren Light-Pro­dukte. Sie enthalten vergleichsweise wenig Kalorien und keine Zusatzstoffe. Am besten Bio-Produkte konsumieren.
Snacks: Obst und Gemüse sind hervorragende Snacks. Sie sind ­gesünder als Weckerl, Riegel & Co. und halten länger satt als all diese sogenannten Diätprodukte.
Kühlschrank-Ordnung: Ist der Kühlschrank voll mit unseren Lieblingsprodukten, greifen wir gerne und häufig zu. Produkte, die wir zwar gerne essen, aber nicht unsere Lieblingsspeisen sind, bewahren uns davor, ständig den Kühlschrank zu plündern.
Sünden sind erlaubt: Wir sollten nicht nur unseren Hunger, sondern auch unseren Appetit stillen. Daher sind kleine Sünden, wie ­beispielsweise ein Croissant ­zwischendurch, erlaubt.
Stoffwechsel: Körperliche Ak­tivität regt den Stoffwechsel an – drei Viertel unseres Kalorienbedarfs benötigen wir für den Grundumsatz (500 kcal – tägliche Energie exklusive Sport). Um den täg­lichen Energiebedarf zu erhöhen, müssen wir uns zusätzlich bewegen. Bei übergewichtigen Personen ist es wichtig, möglichst gelenksschonend zu trainieren: Schwimmen und Radfahren sind ideal geeignet.
Kopfsache: Das Aktivitätszen­trum in unserem Gehirn ist gleichzeitig das Appetitzentrum. Sport fördert die Ausbildung aktivierender Nervenbotenstoffe, die zugleich den Appetit drosseln. Über diesen Mechanismus können wir das Gehirn mittels natürlicher Appetit-Blocker wie Mate oder Guarana überlisten.
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