Warum Seele leidet

Diagnose Brustkrebs: Wege aus der Krise

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Strahlen bekämpfen Brustkrebs - Aber was heilt die Seele, die bei Krebs leidet?

Sie haben Brustkrebs.“ 5.000 Frauen in Österreich werden jedes Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert. Es sind nur drei Worte, aber sie katapultieren das Leben der Betroffenen aus der gewohnten Umlaufbahn.

Wie gelähmt
Das halbe Leben dreht sich in der Folge um Befunde, OP-Termine, Bluttests und Therapiemöglichkeiten. Begleitet von Ängsten, Ungewissheiten und Sorgen: Werde ich je wieder gesund? Wer kümmert sich während eines Aufenthalts im Krankenhaus um meine Familie? Werde ich große Schmerzen leiden müssen?

Unterstützung
Operationen, Strahlentherapie und Medikamente: Die Tumorerkrankung mit medizinischen Verfahren zu therapieren, ist die eine Sache. Doch Krebs betrifft immer auch die Seele. Aktuellen Studien zufolge schlittert jede dritte Krebspatientin in eine derart tiefe Krise, dass sie professionelle Hilfe braucht.

Genau dafür gibt es die Beratungszentren der Österreichischen Krebshilfe: Kostenlos und anonym werden dort österreichweit Erkrankte, aber auch deren Angehörige, psychologisch betreut, begleitend zu ihrer ärztlichen Betreuung beraten und informiert. Diese Unterstützung ermöglicht vielfach den Umgang mit der schwierigen Lage und erleichtert den Umgang mit der Krankheit und der veränderten Lebenssituation.

Alle Check-Ups auf einen Blick: 1/6
Krebsabstrich
Gebärmutterhalskrebs: Ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich beim Gynäkologen.

Rund 30.000 Menschen suchen jährlich den Kontakt mit den Beratungszentren der Österreichischen Krebshilfe - viele von ihnen haben dadurch neuen Mut im Kampf gegen die Krankheit gefasst. „Viele Patientinnen suchen bereits kurz nach der Diagnose Unterstützung. Manche erst während oder auch erst nach Abschluss der Primärtherapie - es kann durchaus sein, dass die Seele nachbetreut werden muss nach der stressigen Zeit der Behandlung, die voller Arzttermine, Organisatorischem und Hektik sein kann“, erklärt Lebensberaterin und Psychoonkologin Gabriela Mausser von der Krebshilfe Niederösterreich.

Geheilt
Auch für die Wiener Szene-Gastronomin Gabriele Huth war die seelische Auseinandersetzung mit ihrer Brustkrebserkrankung eine entscheidende Maßnahme: „Ich habe mich mit den psychischen Ursachen der Erkrankung befasst und nie aufgehört, positiv zu denken. Ich hatte immer ein Ziel vor Augen und habe fest daran geglaubt, wieder gesund zu werden“ . Huth, heute Mutter von vier Kindern, hatte auch das Glück, einen verständnisvollen Partner an ihrer Seite zu haben: „Mein Mann war toll. Er hat mich voll unterstützt und alles mitgetragen.“

Viel Kraft hat sich die ehemalige Brustkrebspatientin - sie gilt heute als geheilt - auch aus der Natur geholt: Huth war früher Leistungssportlerin und ist sogar während der ex­trem belastenden Chemotherapie am Rad gesessen: „Ich habe das einfach gebraucht.“

Nicht immer freilich ist sportliches Training überhaupt möglich. Trotzdem weiß man heute, dass körperliche Aktivität besonders erfolg­versprechend ist, wenn es da­rum geht, eine durch Krebs angegriffene Seele zu stärken: „Sport vermittelt ein gutes Körpergefühl und zeigt, dass der Körper noch immer viele gesunde Anteile hat, die gut funktionieren und sich gut anfühlen“, bestätigt Psychoonkologin Gabriela Mausser.

Leben verändern
Bettina Holtzer hingegen hat den Kampf gegen Brustkrebs noch nicht gewonnen. Die dreifache Mutter aus Graz absolviert derzeit „ein halbes Medizinstudium“, um die für sie geeigneten Therapien zu finden. „Ich will nicht, dass ich mir von irgendeinem Arzt etwas einreden lasse. Ich lese viel und informiere mich über alles. Aber ich will selbst entscheiden, was mit meinem Körper passiert“, sagt die 38-Jährige, deren Knoten soeben entfernt wurde.

Mindestens so wichtig wie die medizinische Versorgung ist ihr die Auseinandersetzung mit der Psyche: „Die Erkrankung hat mir gezeigt, dass ich mein Leben ändern muss“, so Holtzer. Tatsächlich ist Krebs für viele Frauen auch ein Anstoß, ihr Leben in eine neue Richtung zu lenken: „Sie denken über Beziehungen nach, über Ziele oder berufliche Veränderungswünsche. Durch die Krankheit sehen sie die Defizite ihres Lebens oft schärfer - aber ebenso das, was Kraft und Freude bringt“, weiß Expertin Mausser.

Die Veränderungen werden jedoch selten in der ­Behandlungsphase durchgeführt: „Hier braucht die Patientin ihre ganze Kraft für sich selbst, und jede größere Veränderung kann die Situation destabilisieren.“

Nach außen hin habe sich ihr Leben durch den Krebs kaum verändert, meint Gastronomin Gabriele Huth. Innerlich aber sehr wohl: „Ich gönne mir jetzt bewusst Auszeiten. Man kann nicht immer nur geben.“ Etwas, das viele Patientinnen erst lernen müssen: die eigenen Bedürfnisse erkennen - und wichtig nehmen.

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