26. Juli 2012 12:33
Aufgedeckt
So viel Vanille steckt wirklich in Vanilleeis
Ein Test zeigt was wirklich in Vanilleeis steckt - Von Pflanzenfett und Luft.
So viel Vanille steckt wirklich in Vanilleeis
© oe24

In Vanilleeis stecken oft weniger Vanilleschoten als vermutet, oft Pflanzenfett statt Milchfett und bei manchen Produkten jede Menge Luft. Dies zeigt ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), der in Kooperation mit der AMA-Marketing durchgeführt wurde. Untersucht wurden 22 verpackte sowie fünf offene Vanilleeis-Proben - letztere stammen von den Wiener Eissalons am Schwedenplatz (Familie Molin-Pradel), Tichy, Zanoni und Eis-Greissler (Familie Blochberger) sowie von McDonald's.

Bei Vanilleeis denken wir an Milch, Vanille, Zucker und sonst nichts. "Wir wollten mit diesem Projekt gemeinsam mit dem VKI aufzeigen, dass nicht immer Milch drinnen ist, wo man es auch erwarten würde", erklärt DI Martin Greßl, Leiter des AMA-Qualitätsmanagements den Hintergrund dieses Tests.

Statt Milchfett verwenden Unternehmen zunehmend Pflanzenfett. "Pflanzenfett ist in der Herstellung bedeutend billiger als Milchfett", erläutert VKI-Geschäftsführer Ing. Franz Floss, "Der Clou ist: Wenn das Eis in Deutschland und nicht in Österreich hergestellt wird, muss es nicht als ,Pflanzenfetteis' in der Bezeichnung deklariert werden und meist wird das Eis in Deutschland hergestellt." Gleich wo das Eis produziert wird, Greßl würde eine eindeutige Kennzeichnung von Eisprodukten begrüßen: "Auf jeden Fall sollte die Verwendung von pflanzlichen Fetten statt Milch klar und eindeutig und nicht nur im Kleingedruckten gekennzeichnet sein, damit sich die Konsumenten bei jedem Einkauf einer Eispackung bewusst dafür oder dagegen entscheiden können."

Für mehr Klarheit spricht sich Floss hinsichtlich der Verwendung von Vanille bzw. Vanillearomen aus. So suggerieren nach wie vor beschönigende Abbildungen die Verwendung von hochwertiger Vanille. Gemahlene extrahierte Vanilleschoten, die kaum Aroma besitzen, sorgen wiederum für schwarze Pünktchen im Vanilleeis und legen gleichzeitig die Verwendung von hochwertiger Bourbon-Vanille nahe. Floss: "Hier gibt es nach wie vor eine große Kluft zwischen Schein und Sein. Letztlich muss aber das drinnen sein, was auch drauf steht. Alles andere wäre gegenüber den Konsumenten unfair." Überraschend war für die Tester auch, dass nicht wenige getestete Eisproben eine Reihe an Zusatzstoffen enthalten. Weiters weist beispielsweise das Vanilleeis von Botterbloom, Spar und S-Budget, eine wesentlich geringere Dichte auf. Anders gesagt: In diesen Produkten steckt vergleichsweise viel Luft.

Was ist "echtes" Vanilleeis?
Vanilleeis darf sich so nennen, wenn als Zutat Bestandteile der Vanillepflanze verwendet wurden. "Steht auf einer Eispackung ,Eis mit Vanillegeschmack' heißt das, dass zumindest teilweise künstliches Aroma eingesetzt wurde", erläutert Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck. Vanille ist nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt. Deshalb gab es schon früh Versuche, Vanille im Labor nachzubauen. Bekanntestes Beispiel dafür ist synthetisches Vanillin. Es ist ein Nebenprodukt der Zellstoff- und Papierherstellung.

Ebenfalls ein Nebenprodukt sind extrahierte Vanilleschoten. Sie fallen bei der Herstellung von natürlichem Vanilleextrakt an, haben aber kaum noch Aroma. Gemahlen sorgen sie ebenfalls für schwarze Pünktchen im Eis und suggerieren die Verwendung von hochwertiger Vanille. Bei mehr als einem Drittel der getesteten verpackten Proben wurden extrahierte Vanilleschoten in den Zutatenlisten gefunden.

Eisproduktion: Oft Pflanzenfett statt Milch
Zunehmend werden in der Eisproduktion Pflanzenfette eingesetzt. Verarbeitet wird bei Verwendung von Pflanzenfett vor allem Kokosfett, das überwiegend aus Indonesien und von den Philippinen importiert wird. "Unter welchen ökologischen und sozialen Umständen Kokosfett als Rohstoff für die Eisherstellung produziert wird, welche Auswirkungen das langfristig auf die Umwelt hat, ist völlig offen", meint Greßl. "Pflanzliche Fette, die um den halben Globus reisen, belasten nicht nur die CO2-Bilanz, sie stehen auch in direkter Konkurrenz mit heimischer Milch. Denn diese bringt auch eine weitreichende Wertschöpfung."

Als Begründung geben die Hersteller den im Vergleich zum Milchfett neutraleren Geschmack an, der eine neue Zielgruppe erschließen soll. Auch Kunden würden sich ausdrücklich Pflanzenfett im Eis wünschen. Pflanzenfett kostet allerdings auch nur ein Viertel dessen, was für Milchfett aufzubringen ist.

Genau genommen müsste ein Eis, das Pflanzenfett enthält, in Österreich unter der Bezeichnung "Pflanzenfetteis" verkauft werden. Da dieses aber überwiegend in Deutschland produziert wird, entspricht es in seiner Zusammensetzung den dort gültigen Vorschriften und ist damit auch in Österreich "verkehrsfähig". Im Vanilleeis von Botterbloom, Clever, Eisstern, Eskimo, Grandessa, Jeden Tag, Mövenpick, Rios und S-Budget steckt laut VKI-Untersuchung kein reines Milcheis.

"Zumindest aus ernährungstechnischer Hinsicht hat Eis aus Pflanzenfett keine Vorteile", erläutert VKI-Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck. "Kokosfett ist so wie tierisches Fett reich an gesättigten Fettsäuren. Darüber hinaus zeigt der Test, dass ein Produkt mit Pflanzenfett nicht automatisch fettärmer ist." Beispiel Eisstern: Es zählt mit 11,6 Gramm Fett pro 100 Gramm Vanilleeis zu den üppigsten Erzeugnissen im Test.

Meist nicht "Made in Austria"
Die Zutaten für das Eis kommen in den seltensten Fällen aus Österreich. Die Milch für industriell hergestelltes Vanilleeis stammt hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden, der Zucker aus vielen europäischen Staaten, aber auch aus Südamerika. Echte Österreicher sind nur zwei von 22 Eispackungen: Spar Premium und Spar Natur pur werden im Inland produziert und enthalten auch heimische Rohstoffe. Spar Premium trägt das AMA-Gütesiegel, Spar Natur pur das AMA-Biozeichen. Hier wird die Qualität der für Eis eingesetzten Milch im Rahmen des AMA-Gütesiegels streng geregelt und regelmäßig kontrolliert. Die Fast-Food-Kette McDonald's setzt ebenfalls auf Österreich - ebenso wie es in den Eissalons am Schwedenplatz und Tichy noch heimische Ware gibt.

Mikrobiologisch meist in Ordnung
Positiv: In mikrobiologischer Hinsicht gibt es kaum etwas zu beanstanden. In keiner einzigen Probe wurden gesundheitsschädliche Keime wie Listerien oder Salmonellen gefunden. Zwei Produkte wiesen aber erhöhte Keimzahlen auf: Das Vanilleeis von Ja! Natürlich und jenes vom Eisgeschäft Schwedenplatz. Testsieger bei den verpackten Produkten wurde das Bio-Vanilleeis von Dennree. Bei den offenen Produkten liegt das Vanilleeis von Tichy voran.