Raus aus der Stressfalle!

Mehr Zeit zum Leben

Raus aus der Stressfalle!

Wecker läutet, schnell duschen, Kaffee, ins Büro – der Tag ist eine einzige Rushhour. Das Leben auch. Das Fatale dabei: Wer immer schneller zu laufen versucht, ist deswegen noch lange nicht da, wo er hinwill.

Adrenalin-Junkies
„Die Zeit läuft uns davon – wir laufen unseren Pflichten nur noch atemlos hinterher“, konstatiert auch der deutsche Erfolgs­autor Prof. Dr. Lothar Seiwert. In seinem aktuellen Ratgeber verrät er, wie wir mit der Hetzjagd Schluss machen und unser Leben entschleunigen können.

Fahren Sie oft schneller als erlaubt? Treiben Sie Ihren Partner zur Eile an, oder werden Sie ungeduldig, wenn jemand langsam spricht? Sind Sie immer erreichbar? All dies sind Hinweise darauf, dass Sie unter der Diktatur des Adrenalins leben.

Stress oder nicht: Woran liegt das? 1/9
1. Gene Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.
2. Mutter Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.
3. Kindliche Erfahrungen Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Entwicklung unserer Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.
4. Persönlichkeit Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.
5. Charakter Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und Misstrauen erhöhen das Herzinfarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel.
6. Selbstbestimmung Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, desto höher das Infarktrisiko.
7. Wertschätzung Auch wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder angemessenem Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.
8. Beziehungen Studien zeigen, dass Menschen, die viele Freunde und Verwandte haben und sich im Kreis dieser wohlfühlen, weniger schwer und weniger häufig erkranken als Menschen, die viel allein sind oder Probleme in der Familie haben.
9. Glaube Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht beugt vielen Krankheiten vor.

Zu gestresst?
„Ein gewisses Maß an Stress weckt den Geist und gibt uns Energie“, weiß Experte Seiwert. Problematisch wird es, wenn Stress chronisch wird – und der Körper mit Angst, Schlafstörungen, Magenschmerzen oder Depressionen reagiert. „Am effektivsten arbeiten und leben Sie, wenn es Ihnen gelingt, Belastungen auf dem optimalen mittleren Niveau zu halten“, so der Autor. Versuchen Sie, Herausforderungen als Chance zu begreifen: Stress hat uns nur im Griff, wenn wir das Gefühl haben, Opfer zu sein.

In der Mitte sein
Ganz schlecht: grübeln. Der Weg aus der Stressfalle lautet: den Augenblick genießen. „Meditation ist das wirkungsvollste Mittel, um abzuschalten und den Moment zu fangen. Wer drei Jahre lang regelmäßig meditiert, ist biologisch zehn Jahre jünger“, so der Autor.

Nicht verzetteln!
Abenteuerlust, Erfolg, Gesundheit, Liebe, Sicherheit: Auch sogenannte „Wertekonflikte“ rauben uns viel Energie und Lebenszeit. Das heißt: Finden Sie heraus, was Ihnen wirklich wichtig ist. Erfolgspersönlichkeiten kennen ihre Werte und Abneigungen genau und handeln danach: Deshalb wirken sie so zielstrebig und selbstbewusst. „Ein erfülltes Dasein erfährt nur, wer seine wahren Motive und Lebensgründe kennt und sich von ihnen durchs Leben tragen lässt“, betont der Buchautor.

Ans Ziel kommen
Mit guten Vorsätzen alleine ist es freilich nicht getan: Sie gleichen Fahrplänen, in denen nichts weiter steht als „Abfahren und dann möglichst weit“. Zwischen vagen Wünschen und präzisen Zielen liegen Welten. Wollen Sie Ihre Vorhaben in die Tat umsetzen, sollten Sie wie folgt vorgehen: 1. Setzen Sie sich spezifische Ziele: Formulieren Sie Ihr Ziel möglichst präzise und welche Projekte Sie dafür in Angriff nehmen wollen. Das zwingt Sie, sich die relevanten Informationen zu verschaffen, die Sie etwa für einen Karrieresprung brauchen. 2. Planen Sie im richtigen Maß: Wie viele Minuten wollen Sie Ihrem Ziel täglich opfern? Statt „regelmäßig joggen“ heißt das: „Mittwochabend 30 Minuten, Samstag und Sonntag vor dem Frühstück je 45 Minuten.“ 3. Positiv bleiben. „Weniger arbeiten“ ist eine typisch negative Formulierung. Sagen Sie lieber, was Sie stattdessen tun werden: „Ich halte mir jeden Tag eine Stunde für mich frei.“ 4. Bleiben Sie realistisch! Die meisten überschätzen, was man in einem Jahr schaffen kann – und unterschätzen, was man in zehn Jahren erreichen kann. In einem Jahr reich werden, ist unrealistisch. Aber in sieben Jahren kann man es mit den richtigen Strategien zu einer Million bringen. Daher: Für ehrgeizige Ziele genügend Zeit und Aufwand einplanen!

Muße ist wie Medizin
In den USA gilt Nichtstun als Zeitverschwendung. Die Wahrheit ist: Bewusstes Nichtstun ist genau so wichtig wie gezieltes Planen. Von Muße profitiert jede Körperzelle: Der Puls sinkt, die Atmung wird tiefer, das Immunsystem tankt Kraft. Jetzt sind wir bereit für kreative Einfälle und die schönen Dinge des Lebens. Freilich: Sich Freiraum zu nehmen braucht Mut. Denn es heißt, anders als andere zu sein. Muße heißt auch nicht unbedingt, sich endlos im Liegestuhl zu rekeln. Es bedeutet: Die Welt mit allen Sinnen entdecken – im Hier und Jetzt. Und so lautet das vielleicht wichtigste Ziel: Leben im Gleichgewicht zwischen Muss und Muße.

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Buchtipp: Lothar Seiwert: Zeit ist Leben. Leben ist Zeit. Die Chancen der Zeit nutzen. Ariston, um 17,50 Euro.

Autor: Kristin Pelz-Scheruga
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