HPV-Impfstoff der nächsten Generation

Gebärmutterhalskrebs

HPV-Impfstoff der nächsten Generation

Die Wissenschaft, die an der MedUni Wien in Sachen HPV-Infektionen und deren Verhütung betrieben wird, ist Weltspitze. Nach hauptsächlicher Beteiligung der Universitätsklinik für Frauenheilkunde vor Jahren an der klinischen Entwicklung der ersten Vakzine gegen die potenziell krebserregende Virusinfektion (Gebärmutterhalskrebs, HNO-, Vulva-, Analkarzinome etc.) wird dort jetzt auch die nächste Impfstoffgeneration erprobt. Er soll noch breiter gegen durch Human Papilloma Viren verursachte Krebserkrankungen schützen.

Krebserregend
Derzeit sind mehr als rund hundert Stämme der humanen Papillomaviren (HPV) bekannt, 14 davon können Krebs erregen. Die derzeit eingesetzten HPV-Impfungen schützen vor 70 Prozent dieser Krebserkrankungen. „Mit der nächsten Generation des HPV-Impfstoffs werden wir 90 Prozent erreichen“, erklärte Elmar Joura von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der MedUni Wien anlässlich der bevorstehenden Woche der Immunisierung (20. bis 27. April).

In 2 Jahren erhältlich

Der Clou an der neuen Vakzine: In ihr sind neben Antigenen der krebserregenden HPV-Stämme 16 und 18 auch noch fünf weitere Proteine anderer HPV-Varianten enthalten, die ebenfalls zu Krebserkrankungen führen können, stellte der Gynäkologe am Dienstag gegenüber der APA fest. Weiterhin enthalten sind auch Antigene von HPV 6 und 11, welche Genitalwarzen verursachen. Diese nächste Impfstoff-Generation soll in rund zwei Jahren erhältlich sein.

Impfen!
Während Joura und seine Mitarbeiter wissenschaftlich auf diesem Gebiet international eine Spitzenposition einnehmen, liegt Österreich bei der Anwendung der HPV-Impfung im internationalen Vergleich derzeit auf buchstäblich verlorenem Posten. In Österreich erkranken jährlich bis zu 400 Frauen an invasivem Gebärmutterhalskrebs. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind humane Papillomaviren dafür verantwortlich. Auch Vorstufen von Gebärmutterhalskarzinomen und Genitalwarzen sowie Krebsarten im Genitalbereich sowie im Rachenraum werden zunehmend durch HPV-Viren hervorgerufen. Das könnte am besten durch die Impfung von Buben und Mädchen im Alter vor den ersten Sexualkontakten, mit denen HPV übertragen wird, derzeit zu gut 70 Prozent - in Zukunft wohl sogar zu an die 90 Prozent - verhindert werden.

Durchimpfungsrate

"Wir haben in Österreich eine Durchimpfungsrate bei HPV von zwei, drei, höchstens vier Prozent. In Ruanda liegt die Durchimpfungsrate bei über 90 Prozent", sagte Montagabend bei einer Podiumsdiskussion Christian Marth, der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG). Der Grund für das Manko: Bisher sind in Österreich alle Bemühungen gescheitert, die HPV-Impfung in das kostenlose Kinder-Impfprogramm aufzunehmen. Vor allem dürfte dies an den notwendigen finanziellen Mitteln liegen.

Infektion verläuft lange unentdeckt
Der Wirkungsmechanismus von HPV ist jedenfalls heimtückisch: Eine Infektion verläuft langsam, unentdeckt und ohne Krankheitssymptome, bis es schließlich zu Krebs kommen kann. Die Impfung schützt – und ist nicht nur für junge Menschen ratsam. Joura: „Es gibt Wirksamkeitsdaten bis zum 45. Lebensjahr.“ Laut dem Gynäkologen wäre es wünschenswert, dass die HPV-Impfung nicht nur im österreichischen Impfplan empfohlen, sondern auch ins Kinderimpfprogramm aufgenommen und damit öffentlich finanziert wird, da das Kindesalter der optimale Zeitpunkt für die Vorsorge darstellt. Eine dahin gehende Empfehlung des Obersten Sanitätsrats gebe es seit 2007, eine dahin gehende Konsens-Entscheidung im Gesundheitsministerium seit vergangenen Oktober.

Teuer!
Derzeit kostet zum Beispiel die Vakzine, die dreimal gegeben werden muss, insgesamt 570 Euro. Es wird empfohlen, Mädchen und Frauen zwischen neun und 40 Jahren zu impfen, Burschen bzw. Männer zwischen neun und 26 Jahren.

Die Dringlichkeit der Finanzierung durch die öffentliche Hand ist, so der MedUni-Forscher, ist mit Zahlen belegbar: „In Österreich gibt es laut Schätzungen jährlich 700 vermeidbare Krebsfälle, die durch HPV ausgelöst wurden, dazu kommen 3.000 verhinderbare Operationen wegen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals sowie 15.000 Fälle an Genitalwarzen. Das könnte durch die Impfung deutlich verringert werden.“ An der MedUni Wien gab es vergangenes Jahr einen Aktionstag, bei dem mehr als 700 Personen zu einem gestützten und günstigeren Preis geimpft wurden.

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