Bauch gut, alls gut

Kraft der Mitte für ein gutes Lebensgefühl

Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr (1874–1965) formulierte sein Credo recht drastisch: „Der Tod sitzt im Darm“, sagte er und schrieb mit dieser Feststellung sowie mit seinen Milch-Semmel-Kuren Medizingeschichte.

Viele Aufgaben
„Der Darm ist für den Menschen wie die Wurzel für den Baum“, zeichnet die Grazer Gesundheitsspezialistin Anita Frauwallner ein gefälligeres Bild und meint doch dasselbe wie der berühmte Semmel-Doktor: Ist der Darm in Ordnung, ist der Mensch gesund. „Mindestens 70 bis 80 Prozent aller Entscheidungen, ob wir gesund bleiben oder krank werden, werden in unserem Darm gefällt“, präzisiert die Expertin. Ein gut funktionierendes Immunsystem, schöne Haut oder gute Laune – für all dies ist das größte menschliche Organ zumindest mitverantwortlich.

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Buchtipp: Gesundheitsexpertin Mag. Anita Frauwallner und ihr neues Buch: Was tun, wenn der Darm streikt? 
Soeben im Kneipp-
Verlag erschienen, 
um 17.99 Euro.

Beschwerden
Doch leider funktioniert das Verdauungssystem in vielen Fällen nicht so, wie es sollte: „Mehr als 50 Prozent der Menschen in den westlichen Ländern leiden unter Verdauungsproblemen“, weiß Expertin Frauwallner und hat deshalb einen informativen Ratgeber verfasst, der soeben erschienen ist. Sie möchte damit vor allem Menschen ansprechen, deren Lebensqualität nicht so gut ist, wie sie sein könnte: „Wenn man mit lästigen Darmproblemen zum Arzt geht, wird das leider oft als Unpässlichkeit abgetan. Das Gefühl, sich rundum gesund und vital zu fühlen, haben viele Menschen verloren. Dieses Buch zeigt, wie wichtig unser Verdauungssystem für unser Wohlbefinden ist. Und es soll Zugänge zeigen, wie ich mit einfachsten Mitteln wieder zu mehr Lebensqualität komme, ohne ­dabei viel verändern zu müssen“, sagt die Expertin.

Wieder wohlfühlen
Ein gutes Beispiel sei die sogenannte Fruktose-Intoleranz, unter der besonders viele Menschen leiden, ohne es zu wissen. Selbst in leichter Form kann sich ­diese Fruchtzuckerunverträglichkeit  in diversen Verdauungsproblemen, aber auch in ganz „untypischen“ Beschwerden wie etwa schlechtem Schlaf, Heißhungerattacken, Migräne oder seelischen Verstimmungen äußern. Autorin Frauwallner: „In meinem Buch weise ich auf die Zusammenhänge hin und erkläre, wie sich Betroffene ernähren sollen und die Darmschleimhaut sanieren können. Und ich verrate, wie ich mit einem speziellen Pflanzenextrakt (Griffonia, erhältlich in Apotheken), die gute Laune zurückbringen kann – denn nur so hält man die Einschränkungen durch.“ Schon nach sechs Wochen könne man wieder vieles ohne Beeinträchtigung essen – und erhält auf diese Weise ein großes Stück an Lebensqualität zurück.

In 8 Schritten zum gesunden Darm
1. Aktiv sein
Machen Sie täglich mindestens 20 bis 30 Minuten lang Bewegung an der frischen Luft – und zwar zu jeder Jahreszeit. Stärken Sie Ihre Bauchmuskeln zudem mit gezielten Übungen (wie Sit-ups). Das hält den Darm auf Trab und beugt Übergewicht vor.

2. Schön langsam
Schlingen Sie Ihr Essen nicht hinunter und meiden Sie die „schnelle Küche“ mit großen Mengen an tierischen Fetten, Zucker und „leeren“ Kohlenhydraten. Essen Sie stattdessen viel saisonales Gemüse, reifes Obst, Vollkornprodukte, Sauermilchprodukte, Hülsenfrüchte und Kartoffeln.

3. Naturmittel
Verzichten Sie auf Abführmittel (auch wenn diese als rein „pflanzlich“ beschrieben werden) und greifen Sie lieber zu Naturprodukten wie der Papaya. Die Tropenfrucht ist das basischste aller Lebensmittel und Papayamus hilft hervorragend bei diversen Magen-Darm-Problemen (siehe S. 52).

4. Vorsicht
Medikamente wie Antibiotika und Kortison so selten wie nötig verwenden: Sie zerstören die natürliche Bakterienflora im Darm. Nach jedem Antibiotikum benötigen Sie ein gutes Probiotikum (wie etwa Omnibiotic, in Apotheken), um den Darm wieder aufzubauen.

5. Flüssigkeit
Trinken Sie täglich zwei Liter Wasser: Das hilft, Giftstoffe aus dem Organismus auszuschwemmen und Vitalstoffe in die Zellen einzuschleusen. Tipp: Um die Verdauung in Schwung zu bringen, täglich in der früh 1/8 l warmes Wasser auf nüchternen ­Magen trinken!

6. Gifte
Achten Sie darauf, Produkte ohne Konservierungsmittel, Farbstoffe und Emulgatoren zu kaufen. Auch diese Umweltgifte können Ihre Verdauung erheblich stören.

7. Schutz
Nehmen Sie täglich gesunde Darmbakterien zu sich (wie Lactobacillen oder Bifidobakterien), damit der Darm einen Schutz gegen schädliche Mikroorganismen und Giftstoffe aufbauen und ausreichend Vitalstoffe aufnehmen kann.

8. Entspannung
Lernen Sie durch Yoga oder autogenes Training, Ärger und Stress loszulassen: Psychische Belastungen können den Darm entweder lähmen oder zu übermäßiger Darmtätigkeit führen.

Natürliche Hausmittel gegen Darmbeschwerden
Verstopfung

Medizinisch spricht man von Verstopfung, wenn es pro Woche zu weniger als drei Stuhlentleerungen kommt. Stellen Sie Ihre Ernährung langsam (!) auf mehr Faserstoffe (in Obst, Gemüse, Vollkorn) um und trinken Sie dazu viel. Bewegen Sie sich. Auf Hawaii gilt die Papaya als bewährtes Hausmittel. Bei uns gibt es in Apotheken das Papayamus Caricol (als Stick oder Saft).
Papaya

Stimuliert die Verdauungstätigkeit und mildert zudem eine Übersäuerung des Magens.

 

Sodbrennen
Auch hier liegt die Ursache im Darm, da von dort Gärgase nach oben entweichen. Probiotika helfen. Gegen das unangenehme Brennen in der Magengrube gibt es ein Erfolgsrezept. Kochen Sie morgens eine Kartoffelsuppe: 1–2 Kartoffeln kleinwürfelig schneiden, mit Kümmel, Anis, Fenchel und Salz 15 Minuten in 250 ml Wasser kochen und auf nüchternen Magen morgens essen.
Kartoffel
Wirkt beruhigend auf die 
Magenschleimhaut und 
reguliert die Säureproduktion.

 

Laktoseintoleranz
Bis zu 25 % aller Erwachsenen leiden an Milchzucker-Unverträglichkeit. Fatal: Milchzucker kann sich auch in Lebensmitteln wie Würsteln, Schokolade oder Kuchen verstecken. Wenig Milchzucker hingegen enthalten Butter, Mozzarella oder Obers. Günstig sind Obst, Gemüse, Reis, Eier, Nüsse, ­Soja- oder Kokosmilch. Sinnvoll wäre eine Genesungskur mit Probiotika (in Apotheken).
Nüsse
Bei Nüssen, Reis, Nudeln, Öl,
Eiern, Fisch oder Fleisch dürfen Sie bedenkenlos zugreifen.

 

Fruktoseintoleranz
Wie beim Milchzucker ist auch hier die Vermeidung von Fruchtzucker und Sorbit oberstes Gebot. Besonders viel Fruktose enthalten Zwetschgen, Rosinen, Birnen, Mangos, Trockenfeigen, Bananen, aber auch Tomatenketchup oder Weizenkeime (in vielen Backwaren enthalten). Fructosearm und somit besser verträglich sind jedoch Beeren, Avocados oder Zitronen.
Himbeere
Himbeeren, Erdbeeren oder Brombeeren enthalten nur 
wenig Fruktose und sind okay.


Bauch gut, alles gut!

Immunsystem
70 bis 80 Prozent unserer Immunzellen sitzen im Darm. Eine starke Immunabwehr ist maßgeblich von einem gesunden Darm abhängig.

Figur
Fehlen gesunde Bakterien im Darm, steigt das Risiko für Übergewicht.

Augen
Haben Sie ständig rote, entzündete Augen? Auch dafür können chronische Entzündungen im Darm verantwortlich sein.

Zahnfleisch
Funktioniert der Darm nicht richtig, kommt es oft zu Zahnfleischbluten oder Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates).

Gelenke
Auch zwischen entzündlichen Darmerkrankungen und Gelenksschmerzen besteht oftmals ein Zusammenhang.

Haut
Oft deuten auch Hautunreinheiten oder Pickel (speziell rund um den Mundbereich) auf Verdauungsprobleme hin.

Stress/Psyche
Im Bauch sitzt unser „zweites Gehirn“: Das Nervengeflecht im Darm entscheidet darüber, wie wir Stress verarbeiten können.

Haare
Ist der Darm gesund, wird das Haar gut mit Nährstoffen versorgt: Es glänzt.

Kopfweh
Bei Verdauungs-
problemen drohen Kopfschmerzen und Migräne.

Autor: Kristin Pelzl-Scheruga
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