Mode-Ikone Jil Sander wird 80: Ein Rückblick

Happy Birthday Jil!

Mode-Ikone Jil Sander wird 80: Ein Rückblick

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Jil Sander hat die Frauenmode revolutioniert. Am 27. November feiert die "Queen of Less" ihren 80. Geburtstag. Ein Porträt.

"Ich konnte mein Business doch nicht 'Heidi Sander' nennen. Das klingt viel zu deutsch und süß", soll Heidemarie Jiline Sander 1968 bei der Eröffnung ihrer Boutique in der Milchstraße in Pöseldorf, Hamburg, gesagt haben. Also taufte sie ihre Marke in "Jil Sander" um - ein Name, ein Stil, der sich schon bald weltweiter Beliebtheit erfreuen und mit dem Wörtchen "süß" nichts mehr zu tun haben sollte.

Zeitloser Stil

Denn beliebt ist Sanders Mode aufgrund von extremer Reduziertheit, glasklaren Schnitten, hochwertigen Materialien und unabhängigem Design. Ebenso gefeiert wird sie für ihren Duftklassiker "SUN": 1989 lanciert, gehört er weltweit bis heute zu den beliebtesten Damenparfüms.

Zurückgezogen

Jil Sander selbst steht allerdings nicht gerne im Rampenlicht. Während sich andere - vor allem männliche Designer - auf den Fashion Weeks groß feiern lassen, winkt sie dem Publikum nur kurz zu, um rasch wieder im Backstage-Bereich zu verschwinden. Bei Interviews gibt sie sich zurückhaltend, beinahe entschuldigend. Über ihr Privatleben ist nur wenig bekannt.

Eine Annäherung

Anlässlich ihres 80. Geburtstags blickt nun Autorin Maria Wiesner in ihrem Buch "Jil Sander - eine Annährung" ein Stück weit hinter die Kulissen. Die Informationsquellen: Gespräche mit ehemaligen Weggefährten, Mitarbeitern, Kritikern, PR-Beratern und berühmten Designern. Und Besuche jener Orte, an denen die Meilensteine Jil Sanders Schaffen gelegt wurden: Paris, Hamburg, Mailand und Frankfurt.

1996. Die junge Sander in ihrer Boutique in der Milchstraße.

1996. Die junge Sander in ihrer Boutique in der Milchstraße.

© Getty Images
× 1996. Die junge Sander in ihrer Boutique in der Milchstraße.

Wo alles begann

Heidemarie Jiline "Jil" Sander wird am 27. November 1943 in Hedwigenkoog, Deutschland, geboren. Man erinnert sich heute als "so eine Blonde, Niedliche" an sie - damals noch unwissend ob ihres unkonventionellen Geistes. Denn bereits in jungen Jahren trägt Sander statt Petticoats nur Hosen. Während ihrer Ausbildung, einem Ingenieurstudium für Textilwesen in Krefeld, dem ein zweijähriges Austauschstudium an der UCLA in Los Angeles folgte, fällt sie durch ihr unkonventionelles Modebewusstsein auf. Später jobbt Sander bei der Zeitschrift "McCalls" in New York - eine Zeit, in der sie ihren Modehorizont nochmals ausweitet. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitet sie als Moderedakteurin für die Frauenzeitschriften "Constanze" und "Petra". Das dort propagierte Frauenbild (Stichwort Lolita) entspricht ihren Vorstellungen allerdings kaum. "Je älter ich wurde, desto mehr Probleme hatte ich mit dem, was 'man' trägt." Schon bald taucht die Frage auf: "Könnte ich das selbst nicht viel besser?"

Markengründung

Und ob! 1968 gründet Sander in Hamburg die Marke Jil Sander - in der schwarz legendären lackierten Modeboutique in der Milchstraße, für die sie ihr Auto verkaufen und einen Kredit aufnehmen musste. Modische Inspiration holt sich Sander zur der Zeit bei ihren London-Trips aus der "unglaublich coolen und fantasievollen" Punk-Szene. Zunächst setzen sich Sanders androgyne Schnitte nicht durch. Erst 1976 schafft sie mit dem "Zwiebel-Look", der aus vielen miteinander kombinierbaren Einzelteilen aus hochwertigen Materialien besteht und damals besonders bei Business-Frauen Anerkennung findet, den internationalen Durchbruch.

Jil Sander liebte es immer funktionell und klassisch – für Männer wie Frauen.

Jil Sander liebte es immer funktionell und klassisch – für Männer wie Frauen.

© Getty Images
× Jil Sander liebte es immer funktionell und klassisch – für Männer wie Frauen.

Schlag auf Schlag

1979 erweitert Sander gemeinsam mit dem Kosmetikhersteller Lancaster (seit 1996 Coty) ihre Produktpalette um die Duft-und Pflegeserie "Jil Sander Woman Pure". Im gleichen Jahr wird sie in der japanischen Modezeitschrift "High Fashion" als eine der zwölf weltbesten Modedesignerinnen genannt. In den USA gilt sie wegen ihrer minimalistischen Entwürfe als "Queen of Less". 1983 wird Sander Gastprofessorin an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst. 1989 geht sie mit ihrem Unternehmen an die Börse. Es folgen zahlreiche Erfolge auf den internationalen Laufstegen. Nach der Blütezeit der Marke in den 90ern verkauft Jil die zu dem Zeitpunkt bereits global tätige Firma an die Prada-Gruppe. Später wird das Unternehmen Eigentum eines japanischen Textilkonzerns; Sander ist dort einige Jahre als Kreativdirektorin tätig - bis sie sich im Oktober 2013 "aus familiären Gründen" zurückzieht.

Wie die Öffentlichkeit erst ein Jahr später erfährt war Sanders langjährige Lebensgefährtin Angelica "Dicky" Mommsen an Krebs erkrankt - 2014 starb der wichtigste Mensch in Jil Sanders Leben. Mit Dicky war sie über 30 Jahre lang liiert.

Was bleibt?

Von ihrer Mutter hatte Jil gelernt, dass hochwertige Kleidung auf Dauer günstiger ist und dass man lieber wenige Stücke besitzt, die lange halten, statt viele Teile im Schrank zu haben, die nach kurzer Tragedauer kaputtgehen und aufwendige Reparaturen benötigen", schreibt Maria Wiesner. Mit dieser nachhaltigen Einstellung ist Sander ihrer Zeit voraus. Das Besondere: Trotz androgyner Schnitte versucht sie nie, das Weibliche zu verstecken. Ihr Ziel: Frauen Kleidung zu geben, in der sie so seriös wie Männer auftreten konnten und obendrein die gleiche Bewegungsfreiheit genossen. Mode auf Augenhöhe, wie wir sie heute noch zu schätzen wissen.

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