07. Februar 2020 12:15
Die Idee der „Zero Waste“- Modewoche
Kopenhagen revolutioniert die Modebranche
Auf Platz zwei der klimaschädlichsten Branchen gelegen, ist auch die Welt der Mode gefragt, wenn es um eine stabile Zukunft gehen soll.  Die Kopenhagener Modewoche setzte mit einem beeindruckenden Plan erste Schritte. 
Kopenhagen revolutioniert die Modebranche
© Getty Images
Unmengen an Wasser, enormer Einsatz von Pestiziden, giftige Chemikalien, Mikroplastik und überlange Transportwege: Die Fashionbranche hat einen großen Einfluss aufs Klima und ist nach der Erdölindustrie erwiesenermaßen sogar jener Wirtschaftszweig, der die Erde am meisten belastet. 10 Prozent der globalen CO2-Emissionen gehen auf die Mode- und Textilindustrie zurück – mehr als alle Langstreckenflüge und Schifffahrten weltweit zusammen. Schuld an der desaströsen Öko-Bilanz ist die Fast Fashion: Da Modemarken in immer kürzeren Abständen immer mehr Trends produzieren, kommen auch immer mehr Kleidungsstücke auf den Markt, die wiederum immer weniger lang getragen werden. 

Dreijahresplan
Doch neben einem erwachenden Bewusstsein der Konsumenten scheint auch die Branche selbst langsam neue Wege einschlagen zu wollen. Als Vorreiter gelten dabei – wie in so vielen Aspekten – die Skandinavier. So wurde bei der kürzlich zu Ende gegangenen Copenhagen Fashion Week ein ambitionierter Drei-Jahres-Plan verlautbart: „Wir befinden uns mitten in einer Klimakrise, deshalb müssen wir jetzt handeln, und zwar dringend“, erklärte Cecilie Thorsmark, CEO der Copenhagen Fashion Week bei der Eröffnung. „Wir können nicht länger nur zusehen und hoffen, dass Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit von allein geschieht.“ Keine leeren Worte, sondern klare Handlungsschritte im Rahmen eines „Sustainability Action Plan“ sollen dies möglich machen. Schritt 1 ist das Ziel bis 2023 eine Zero-Waste-Modewoche zu werden. Damit sollen die Umweltauswirkungen der Woche reduziert werden, weshalb bereits Einweg-Plastikflaschen bereits verboten wurden und alle betriebsbedingten Kohlenstoffemissionen kompensiert werden. Bis 2021 sollen außerdem nur noch Holzbügel anstelle von Plastik-Kleiderbügeln verwendet werden.
 
Veränderung mit Gewissen
Der nächste Schritt ist noch revolutionärer. Die Copenhagen Fashion Week will alle bei ihr ausstellenden Labels dazu verpflichten, eine strenge Nachhaltigkeitspolitik zu verfolgen. Hierbei geht es zum Beispiel um die Materialwahl, Diversität der Models, das Set-Design oder die Arbeitsbedingungen im Betrieb. Bis 2023 will das Team der Modewoche sicherstellen, dass alle ihre aspirierenden Designer und Designerinnen 17 Mindeststandards einhalten. Zu diesen gehören, dass in allen Kollektionen mindestens 50 Prozent zertifizierte Bio-, Upcycle- oder recycelte Textilien verwendet werden und dass bei den Shows nur nachhaltige Verpackungen und abfallfreie Kulissen zum Einsatz kommen. Und: Die nicht verkaufte Kleidung darf nicht einfach entsorgt werden. Je nach Ist-Zustand erhalten die Brands dann einen Punktewert, der darüber entscheidet, ob sie das Rennen um einen Slot machen. Und: An einem Plan für eine längerfristige Zukunft wird ebenfalls schon gearbeitet. Denn für Cecilie Thorsmark und die Copenhagen Fashion Week ist es wichtig, dass Mode nicht nur Symptome bekämpft, sondern einen 360-Grad-Ansatz gewinnt. „Es gibt Marken, die behaupten, nachhaltig zu sein; vielleicht, weil sie nachhaltige Stoffe verwenden“, so Thorsmark in ihrem Statement. „In unserer Welt muss man Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachten. Ich glaube nicht, dass man sich selbst als nachhaltige Marke bezeichnen kann, wenn man nicht aktiv entlang der gesamten Wertschöpfungskette daran arbeitet.“ 

Hollywoods Epic Fail bei den BAFTAs
Nachhaltige Mode ist keine Öko-Nische mehr, sondern längst im Mainstream angekommen. Das machte die Copenhagen Fashion Week cool wie eh und je klar. Dass es jedoch länger dauern wird, eine toxische Branche umzubauen, zeigten vergangene Woche die BAFTAS. Gerade in der glamourösen Award-Saison sind auch die mondänsten und prächtigsten Roben für Promis Verschleißware, weshalb die British Academy of Film and Television Arts ihren Abend CO2-neutral gestalten wollte und den Gästen sogar einen in Zusammenarbeit mit dem London College of Fashion gestalteten Guide über nachhaltige Mode übermittelt hatte. Dennoch hat der Großteil der Celebritys den nachhaltigen Dresscode der Zeremonie verfehlt. „Nachhaltigkeit ist sehr wichtig für BAFTA, und wir tun mehr als je zuvor dafür“, erklärt die Akademie. „Wo keine nachhaltigen Entscheidungen getroffen werden können, kompensiert BAFTA und gibt den Gästen die Möglichkeit, ihre eigenen Reisen zu kompensieren und nachhaltige Modeentscheidungen zu treffen.“ Saoirse Ronan gehörte zu den wenigen Prominenten, die sich an die neuen Richtlinien der Verleihung hielten. Sie erschien in einem dezenten schwarzen Kleid von Gucci aus ausgemustertem Satin. Die Herzogin von Cambridge wählte unterdessen ein Kleid von Alexander McQueen in Weiß und Gold, das sie schon 2012 zu ihrer Malaysia-Tournee trug. Und auch Joaquin Phoenix hielt sein Versprechen ein, während der gesamten Award-Season ein und denselben Smoking von Stella McCartney zu tragen, um auf die Verschwendung auf dem roten Teppich aufmerksam zu machen. Der Rest entschied sich für neuwertige Kreationen. Ungenügend, bitte setzen.