In der Wiesn-Mode ist dieses Mal alles erlaubt

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Lack-Dirndl, Tigermuster und rosa Hirsche auf kariertem Grund: Traditionalisten brauchen dieses Jahr auf dem Oktoberfest starke Nerven. Wer gern mit der Mode geht, kann dagegen aus dem Vollen schöpfen - Stoffe, Stile und Farben werden in den aktuellen Kollektionen nach Lust und Laune kombiniert.

"Die Farben und Designs werden noch knalliger als im vergangenen Jahr", sagt Nicole Krajewski von Trachtenmoden Angermaier in München. Bei den Stoffen werde quasi "alles verarbeitet, was irgendwie zu verarbeiten ist": Seide und Brokat zum Beispiel, aber es gebe auch Pailletten-Dirndl und "Leo-Optiken".

Schlichte Basisfarben allein sorgen auf der Wiesn daher in diesem Herbst kaum für Aufsehen. Der Trend geht zur Farbe, pflichtet Karin Müller vom Trachtenmodenhaus Berwin & Wolff in Ebersberg (Bayern) bei. Angesagt sei in dieser Saison alles, was bunt und farbenprächtig ist - besonders hervorzuheben seien Türkis, Gelb und allen voran Lila. Die junge Designerin Alexandra Melachrinos aus München sieht herbstliche Beerentöne und knalliges Grün im Trend.

Nicht jeder muss bei diesem Trend mitmachen. Auch traditionelle, dunkle Dirndl in Oliv- und Grüntönen oder Schwarz seien sehr beliebt, sagt die Designerin Lola Paltinger aus München. Ihr Vorteil sei, dass sie sich mit unterschiedlichen Blusen und Schürzen je nach Anlass anders stylen lassen.

Wer althergebrachte Schnitte mit modischen Farben und Details paart - beispielsweise mit einer lila Schürze -, ist ebenso auf der Höhe der Mode, sagt auch Krajewski: "Alles wird wild kombiniert" - Baumwollröcke mit Seidenschürzen, Mieder mit Lederhose. Im Grunde gebe es nur eine unverrückbare Grundregel: Ein gutes Dirndl müsse ein tiefes Dekolleté und eine enge Passform haben, die die Weiblichkeit zur Geltung bringen. Eine schlanke Silhouette erzeugen sogenannte Godet-Röcke, erklärt Müller. Sie haben in der Taille keine Falten und lassen sie so schmaler wirken.

Während die Farben und Kombinationen für Akzente sorgen, werden die Schnitte zurückhaltender: Blusen und Schürzen sollten nicht allzu durchsichtig sein, schulterfrei sei out, und ohne Unterrock gehe es an sich nicht mehr, findet Paltinger. "Man zeigt Bein, aber nicht zu viel. Zum knielangen Dirndl werden gern traditionelle Trachtenstrümpfe getragen." Am beliebtesten sind laut Krajewski Rocklängen, die das Knie eine Handbreit bedecken. "So ist einem der Rock nicht im Weg, wenn man auf der Bierbank tanzt."

Dirndl, die nicht bis zum Knie reichen, seien vollkommen aus der Mode, bestätigt Gabriele Hammerschick, Chefeinkäuferin beim Kaufhaus Loden-Frey in München. Praktisch sind ihr zufolge Wendeschürzen aus Polyester: Sie ähneln Schürzen aus Seide, sind aber strapazierfähiger. Die meisten Kundinnen ziehen aber das Original vor. Dirndl aus Seide und anderen edlen Materialien verkaufen sich in diesem Jahr besonders gut. "Alles wird eleganter."

"Viele Dirndl sind glamouröser und aufwendiger denn je", hat auch Paltinger beobachtet. Hingucker seien etwa Details wie Stickereien. Da die Dirndl in diesem Jahr opulent im Design sind, ist bei den Accessoires Zurückhaltung angeraten. Sonst wirkt es schnell überladen. Hammerschick rät zur Grundregel: "Entweder Ohrringe oder Halskette - beides zusammen wirkt zu 'aufgemaschelt'." Klassiker unter den Accessoires sind Kropfband, Charivari - eine Schmuckkette -, Spitzenhandschuhe und Trachtenstrümpfe.

Wie seit Jahren bleiben Hüte auch auf dem diesjährigen Oktoberfest en vogue. Passend zum farbenfrohen Dirndl seien die Loden-Hüte dieses Mal mit giftgrünen, lila oder gelben Federn verziert, zählt Krajewski auf - oder sie seien gleich komplett lila. Dem wilden Farbenrausch kann sich selbst die weniger modebewusste Trachtenmode für Herren nicht verweigern. Für den modebewussten Wiesnbesucher gibt es lila Samt- und Brokatwesten, gebatikte Cashmere-Schals und sogar Lederhosen mit lila Stickereien. "Das sieht lässig und edel aus", meint Krajewski. Zeitgemäßen Geschmack könne der Mann auch mit taillierten Hemden beweisen.

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