Das trug man früher auf der Wiesn

Kein Dirndl! Keine Lederhose!

Das trug man früher auf der Wiesn

Dirndl und Lederhosen gehören zum Oktoberfest dazu. Das tragen dort inzwischen alle - Japaner, Amerikaner und Italiener genauso wie viele Einheimische. Es gehört zur Tradition, heißt es. Doch zu den Anfängen der Wiesn gab es noch gar kein Dirndl, und der Herr trug Gehrock und Zylinder. Erst vor 20 Jahren wurde die Tracht beim Oktoberfest Usus.

Oktoberfest-Besucher trugen Anzug und Kleid

Zur Zeit der ersten Oktoberfeste Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die Damen laut Historiker im französischen Empirestil. Der Herr trat in Gehrock und mit Zylinder auf. In Blümchen und Karomuster oder in kurzer Lederhose wäre kein Städter auf die Straße gegangen. Es war zu bäuerlich.

Die Wiesn entstand eigentlich aus der Hochzeit von Kronprinz Ludwig I. mit Therese von Sachsen-Hildburghausen im Oktober 1810. König Max I. Josef hatte sie auch als Fest fürs Volk arrangiert. Das sollte nach der Proklamation des Königreichs das Gemeinschaftsgefühl fördern und die Ausrichtung auf die Residenzstadt München unterstreichen. So ließ man Kinderpaare in bäuerlichen Trachten aus allen bayerischen Regionen mit Blumen zum Königspavillon ziehen. Bauern kamen im Sonntagsgewand.

Dirndl war Arbeitskleidung

Das Dirndl wiederum war ursprünglich eine einfache Arbeitskleidung, Heugewand oder Leibegwand genannt, sagte Alexander Wandinger vom Trachten-Informationszentrum des Bezirks Oberbayern in Benediktbeuern. Erst um 1900 entdeckten die Städter die Sommerfrische, das Landleben - und damit auch das Dirndl. In der Stadt sah man es eher nicht. Niemand wäre auf die Idee gekommen, das Urlaubsoutfit auf der Wiesn anzuziehen.

Nicht zuletzt beförderten die Brüder Wallach aus Westfalen, die in München ein Kleidungsgeschäft betrieben, den Einzug des Dirndls in die Stadt. "Die beiden waren totale Bayernfans", sagte die Münchner Kulturwissenschafterin Simone Egger. "Sie haben das Dirndl in der Stadt populär gemacht." Dennoch trugen die Herren bis zum Beginn der 1990er-Jahre Anzug und Krawatte zur Wiesn, die Damen Kleid oder Kostüm.

Dirndl-Trend ab Ende der 90er

Erst Mitte der 1990er tauchte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erstmals in Lederhose beim traditionellen Anzapfen auf. "Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre begannen junge Leute, Dirndl und Lederhose lustig zu finden", sagte Egger. "Es begann mit einer Generation, die sich nicht mehr so stark von Eltern abgrenzen musste wie vorher."

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