marina Hoermanseder

Trendwende

Muttersein à la Marina Hoermanseder

Modedesignerin, Geschäftsfrau und jetzt Mama: ­Marina Hoermanseder hat ein neues Kapitel begonnen. Was sie sich für ihre Tochter wünscht und wie sie sich mit ihrem Partner die Elternschaft aufteilt.   

In einem Jahr wie 2020 ein Kind zu bekommen hat auch seine positiven Seiten, wie Modedesignerin Marina Hoermanseder im MADONNA-Talk erklärt. Doch dass sie Tochter Lottis Start ins Leben in einer so unsicheren Zeit optimistisch reflektieren kann, habe viel mit Privilegien zu tun, derer sich die 34-jährige Wahlberlinerin bestens bewusst sei. Mitunter ein Grund, warum sie die aktuelle #Mütterhelfen-Kampagne von P&G (siehe Kasten unten) tatkräftig unterstützt.

Nachgefragt. Wir sprachen mit Marina Hoermanseder über die Herausforderungen von Jungmamas, Hass im Netz und ihren Blick in die Zukunft der Mode.

Sie und Ihr Partner sind vergangenen Herbst Eltern geworden. Inwiefern hat sich Ihrer beider Leben seither verändert?
Marina Hoermanseder:
Es hat sich viel verändert, aber nicht alles. Mein Partner und ich haben uns von Anfang an vorgenommen, unser Leben nicht nach dem Baby zu gestalten, sondern versuchen unser Baby gewissermaßen in unser bisheriges Leben zu integrieren. Und wir haben auch Glück, dass unsere Tochter sehr entspannt und nachsichtig mit uns ist (schmunzelt). Aber natürlich muss so ein Alltag mit Kind viel stärker organisiert werden. Ich schaue viel mehr auf die Uhr, wenn ich im Büro bin, um zu gewissen Zeiten einfach wieder bei meinem Kind zu sein. Dadurch, dass wir beide Vollzeit arbeiten, haben wir den Alltag untereinander sehr gut aufgeteilt – Paul übernimmt immer die Frühschicht, ich wiederum kümmere mich um die abendliche Betreuung bzw. bringe Lotti ins Bett. Wir haben uns auch Unterstützung von außen geholt, anders würde es auch gar nicht funktionieren.

Jung-Eltern bekommen oft gut gemeinte, aber nicht immer gewollte Ratschläge – wie gehen Sie damit um?
Hoermanseder:
Real passiert das aufgrund des Lockdowns natürlich selten, aber wenn ich ein Foto von Lotti auf Social Media in einer Trage poste und sie schaut nach vorne, anstatt auf die Seite, bekomme ich gleich unzählige Nachrichten, wie falsch das nicht sei. Potenzielles Unverständnis den eigenen Erziehungsmethoden gegenüber wird wohl immer gegeben sein, aber mein Partner und ich sind zufrieden, wie wir es machen, und das ist, was zählt. Ich glaube, man darf dem Ganzen auch keinen Raum geben. Ich bewerte andere auch nicht. Aber ich denke, dass viel damit zusammenhängt, dass wir ein sehr „pflegeleichtes“ Kind haben. Ich weiß nicht, wie es mir ginge, wenn ich ein Schreibaby hätte. Das Thema lässt sich nicht pauschalisieren, denn es geht um kleine Menschen, und da ist jeder anders.

Ihr Auftritt bei „Germany’s Next Topmodel“ eine Woche nach der Geburt Ihrer Tochter löste einen enormen Shitstorm aus. Hat diese Reaktion ihren Blick auf Social Media bzw. Ihr eigenes User-Verhalten verändert?
Hoermanseder:
Es war sehr schlechtes Timing, weil da meine Tochter frisch auf der Welt war und mein Hund kurz zuvor gestorben ist. Ich bin Geschäftsfrau genug, dass ich weiß, dass es Menschen gibt, die vor tiefsten Beleidigungen nicht zurückschrecken, und habe mir überlegt, wie ich diesen Vorfall zu meinen bzw. zu Gunsten des Themas nutzen kann. Deshalb habe ich auch öffentlich darüber gesprochen. Viele haben nicht verstanden, warum ich das tue, und gemeint, ich soll die Hater Hater sein lassen. Aber es war nicht so, dass ich mich mit dem Thema befassen wollte, sondern ich wollte, dass entscheidende Stellen und Menschen, die tatsächlich etwas gegen das Problem des Hasses im Netz tun können, reagieren. Und was diese Trolle vielleicht nicht miteinberechnet haben, ist, dass auch meine eigene Marke bzw. die Sendung viel PR bekommen hat.

Was ist Ihnen in puncto Erziehung wichtig? Welche Werte wollen Sie Ihrer Tochter weitergeben?
Hoermanseder:
Ich möchte meiner Tochter viel davon weitergeben, wie ich selbst erzogen wurde. Sie soll anständig sein, fleißig und weltoffen, tolerant gegenüber Menschen anderer Kulturen und liebevoll. Und sie soll nichts einfach so als gegeben hinnehmen und kritisch sein. Ich möchte auch, dass sie lernt, demütig und dankbar für ihre eigene privilegierte Situation zu sein.

Warum unterstützen Sie die Aktion #Mütterhelfen von P&G und Bipa?
Hoermanseder:
Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun. Ich weiß, wie privilegiert ich bin: Ich habe ein gesundes Kind, bin in einer stabilen, sorglosen und gewaltfreien Beziehung und Umgebung. Das ist nicht selbstverständlich. Manchmal ärgere ich mich, weil mein Partner etwas nicht macht, was er vorher angekündigt hatte, und kurz nachdem ich mich ja so allein gelassen fühle, merke ich, wie lächerlich das ist. Denn ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, wie es einer Frau gehen muss, die ihr Kind unter finanziellen Sorgen und in einem unstabilem Umfeld alleine großzieht.

Welche Auswirkungen wird Corona Ihrer Meinung nach noch auf die Modewelt haben?
Hoermanseder:
Was ich positiv sehe, ist eine gewisse Entschleunigung hinsichtlich der Kollektions-Modi zu bemerken. Es wird nicht mehr strikt auf Frühling/Sommer und Herbst/Winter gesetzt, sondern auf Zeitlosigkeit und Multifunktionalität. Und Menschen investieren in Teile, die immer tragbar sind. Genau da sehe ich die Zukunft für uns Designer, da wir wieder Besonderes schaffen und Geschichten mit unserer Mode erzählen können. Denn die Menschen sehnen sich auch wieder nach Glamour und den besonderen und schönen Dingen.

Wenn es wieder möglich ist – wohin wird es Sie ziehen, wofür würden Sie sich wieder in Schale werfen?
Hoermanseder:
Als Allererstes möchte ich, dass meine Mutter meine Tochter kennenlernt. Sobald meine Mama ihre zweite Impfung bekommen hat, werde ich sie mit Lotti in Wien besuchen. Es macht mich traurig, dass meine Familie und meine allerbesten Freunde die Kleine noch nie getroffen haben. Und in zweiter Linie, als absolutes First-World-Bedürfnis, freue ich mich schon sehr auf den Moment, wieder Sand zwischen meinen Zehen zu spüren. Vor Corona war das Reisen so eine Selbstverständlichkeit und jetzt fühlt sich die Möglichkeit, „schnell“ mal ans Meer zu kommen, wieder wie dieser Luxus an, der es auch ist.       

Jeder Einkauf zählt. 1,16 Millionen Österreicher:innen sind armutsgefährdet – mehr als die Hälfte davon ist weiblich und über 18 Jahre alt. In den Caritas- Mutter-Kind-Häusern erhalten diese, neben einem Dach über dem Kopf ein breites Beratungsangebot zu sämtlichen Themen wie Kindererziehung oder Jobsuche . Bis 19. Mai kann man betroffene Frauen durch die eigenen Einkäufe im BIPA Online Shop sowie in den BIPA Filialen unterstützen. Denn mit jedem Kauf einer Packung der P&G Marken Ariel, Gillette Venus, Oral-B, Pampers und Pantene fließen 0,25 Euro an die Caritas-Mutter-Kind-Häuser in Österreich. Ziel der Aktion, die mittlerweile zum vierten Mal stattfindet, ist es, 100.000 Euro für bis zu 3.000 Schlafplätze in den Caritas-Mutter-Kind-Häusern zu sammeln.