Zu wenig Fett ist auch nicht gesund

Die klassische österreichische Küche ist ja nicht gerade fettarm. Und da zuviel Fett fett macht, ist es kein Wunder, dass viele Österreicher mit Übergewicht zu kämpfen haben. Wer gegensteuern will, sollte es aber auch nicht übertreiben. Denn bekommt der Körper zu wenig Fett, ist es genauso schädlich, wie wenn zu viel davon konsumiert wird.

Ist die Fettzufuhr zu gering, wird die Immunabwehr geschwächt, der Hormonhaushalt durcheinander gebracht, das gute HDL-Cholesterin gesenkt, und der Körper nimmt zu wenig Vitamine auf. Die Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer von der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) rät daher zur Vorsicht. "Die Aufnahme von 40 Gramm Fett pro Tag ist durchaus normal", so Kiefer. Es ist für den Körper lebenswichtig, um die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aufzunehmen. Besonders das Vitamin D schützt vor Infektionen und Krebserkrankungen. Wer regelmäßig zu wenig Fett zu sich nimmt, bringt seinen Hormonhaushalt durcheinander und schwächt die Immunabwehr. Unter 30 Gramm pro Tag sollte man nach Möglichkeit nur in Ausnahmefällen geraten. Zum Vergleich: In den Industrieländern werden pro Tag 100 bis 160 Gramm Fett verzehrt, und das ist eindeutig zu viel.

Fett ist auch nicht gleich Fett. Die Hauptquellen der Österreicher sind die versteckten Fette, wie in Wurst, Fleisch oder Schokolade, aber auch in Milch und Milchprodukten. Gesünder wären jedoch essenzielle gesättigte Fettsäuren, wie sie in pflanzlichen Ölen, in Nüssen oder im Fisch enthalten sind. Tierische Fette sollten weitgehend gemieden werden, sagt die Expertin.

Auch extrem fettfreie Diäten führen nicht zum Erfolg. Wenn die Kalorienzufuhr nicht gesenkt wird, hilft eine Fettreduktion auch nichts, meint Kiefer. Zudem ist der Stoff ein Geschmacksträger. Solche Diäten haben der Expertin zufolge auf lange Sicht keinen Erfolg, weil der Geschmack der Speisen unbefriedigend wird und die Abnehmwilligen schnell aufgeben.