Dick durch Fressattacken - Essstörung

Tatsächlich können auch dicke Menschen diese Essstörung haben. Doch anders als bulimische Patienten übergeben sich Übergewichtige und Fettleibige mit dem Problem hinterher nicht. Sie nehmen massiv zu. "Die Angehörigen merken es auch daran, dass der Kühlschrank immer leer gegessen ist", sagte Professor Beate Herpertz-Dahlmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die sogenannte Binge-Eating-Störung ist ein von der Wissenschaft neu entdecktes Phänomen. Bisher standen nur Essstörungen von Unter- und Normalgewichtigen im wissenschaftlichen Blickpunkt. Doch seit Jahren werden die Menschen immer dicker. Mittlerweile haben 30 Prozent der Deutschen zu viele Kilos, jeder fünfte ist fettleibig. "Das Übergewicht ist in den letzten Jahren in den Fokus der Forschung gerückt", sagte Herpertz-Dahlmann zum 2. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (25. bis 27. Februar) in Aachen.

Die Attacken kommen oft aus Langeweile oder Frust. Manchmal führe auch das Fasten zum genauen Gegenteil. "Die Betroffenen essen dann bis nachmittags vier oder fünf Uhr gar nichts und haben dann einen großen Hunger und können nicht mehr stoppen", sagte die Kongresspräsidentin. Betroffene leiden zusätzlich unter Depressionen und Angststörungen. Auch Persönlichkeitsmerkmale wie Impulsivität seien damit verbunden. Aber kaum ein Betroffener möchte darüber reden. "Das Thema ist schambesetzt."

Bewährt hätten sich die Verhaltenstherapien. "Im akuten Fall kann es auch helfen, die Freundin anrufen und sich abzulenken", sagte die Psychiaterin. Diese Verhaltenstherapie führe in der Regel nicht zur Gewichtsreduktion. Allerdings gehe es vielen nach einer solchen Therapie deutlich besser. Manchmal seien auch Gewichtsreduktionsprogramme eine Hilfe, um die Binge-Eating-Störung zu bessern.

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