AMA-Gütesiegel wird ausgebaut

Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich (LK) will die Agrarmarkt Austria (AMA) Marketing ihr Gütesiegelprogramm stärken und ausbauen. Ziel sei es, bei den oft verunsicherten Konsumenten Aufklärung zu leisten und die Fülle an Siegeln gleichzeitig einzudämmen, sagte LK-Präsident Gerhard Wlodkowski am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit AMA Marketing-Chef Stephan Mikinovic.

Die Wirtschaftskrise habe die Landwirtschaft stark getroffen, die Preise seien im Keller, so der Kammer-Präsident. Die Konsumenten verlangen aber dennoch höchste Qualität. Mit dem AMA-Gütesiegel trage die Bauernschaft dem Rechnung. "Es geht aber um Wertschätzung und Arbeitsplätze. Das wird oft unterschätzt", betonte Wlodkowski in Anspielung auf den höheren Preis für Gütesiegel-Produkte, den in Zeiten der Krise immer weniger Konsumenten bezahlen wollen und vermehrt zu Billigprodukten greifen.

Bisher sei es noch nicht gelungen, dem Konsumenten zu vermitteln, dass das AMA-Gütesiegel Nachvollziehbarkeit "from stable to table", also vom Stall bis zum Tisch, bedeutet, räumte der LK-Chef ein und hofft auf die Unterstützung der Konsumenten: "Wir können diese Landwirtschaft nur aufrechterhalten, wenn der Konsument bei uns bleibt". Nur dann seien auch die Arbeitsplätze gesichert. Und: "Nur mit Ausgleichszahlungen werden wir es nicht schaffen".

Das AMA-Gütesiegel wurde vor 15 Jahren ins Leben gerufen und zählt derzeit 540 Lizenznehmer. 1.300 Betriebsstätten im landwirtschaftlichen Bereich und 10.000 Verträge mit Landwirten, die jedes Jahr erneuert werden, sind erfasst. In Summe findet sich das AMA-Zeichen auf 3.000 Artikeln, die Hälfte davon Milch und Milchprodukte. 23 Qualitätsrichtlinien definieren die über das Gesetz hinausgehenden Qualitätsstandards.

"Damit sind wir im Feinkostladen Österreich angekommen", sagte Mikinovic. Österreich habe das elaborierteste Qualitätssicherungsprogramm Europas. So lebe der heimische Konsument in einem "Milchparadies": 15 Prozent der österreichischen Milchbauern produziere Heumilch, in der EU seien es 2 Prozent - "eine aussterbende Gattung". Der Biomilchanteil sei deutlich höher als in anderen EU-Ländern und dass die heimische Milch gentechnikfrei sei, sei mittlerweile so "selbstverständlich, dass es nicht einmal mehr erwähnt wird".

Aber diese Qualität habe auch ihren Preis, appellierte auch der Marketing-Experte an die Konsumenten, dennoch heimische Produkte zu kaufen. "Das Feilschen um eine Milchpreiserhöhung von 1 Cent im siebentreichsten Land der Erde und im drittreichsten Land Europas ist für das wertvollste Lebensmittel der Welt jedenfalls eine zivilisatorische Bankrotterklärung", sagte Mikinovic.

Unterstützt durch eine Werbekampagne ab Oktober soll das AMA-Gütesiegel sowohl bei Handelsketten als auch bei den Produkten verbreitert werden. Mit Rewe werde nach wie vor verhandelt, das Zeichen neben Obst, Gemüse, Erdäpfel und Eier vor allem auch auf Fleisch auszuweiten. Auf der Produktseite sei das AMA-Gütesiegel für Fisch und Wild im Gespräch.

Zu anderen Gütesiegeln, wie dem Zeichen für Gentechnikfreiheit oder dem Zeichen "Tierschutzgeprüft" gebe es jedenfalls "eklatante Unterschiede". Diese seien bestenfalls "Zusatzinformationen" und sagten nichts über die Qualität aus, betonte Mikinovic.