Lebensmittel-
unverträglichkeiten
auf dem Vormarsch

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"Angeblich gesundes Essen ist nur dann gesund, wenn man es auch verträgt", sagt eine von Lebensmittelunverträglichkeit Betroffene. Die Empfehlung, fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu essen, kann etwa für einen Menschen mit einer Fructose-Intoleranz zur Qual werden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind auf dem Vormarsch, berichteten am Donnerstag Mediziner bei einer Pressekonferenz in Wien.

Immer mehr Menschen in Europa leiden unter einer dieser Abbaustörungen im Darm, wie Zöliakie, Lactose-, Histamin- oder Fructose-Intoleranz bzw. Malabsorption. Während die klinisch nachgewiesene Häufigkeit von Nahrungsmittelallergien in Mitteleuropa nur bei drei bis fünf Prozent der Bevölkerung liegt, machen Unverträglichkeiten einer weit höheren Zahl von Betroffenen das Leben schwer.

Durchschnittlich zehn bis 30 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden an einer Lactose-Intoleranz (Milchzucker), fünf bis sieben Prozent an einer Fructose-Malabsorption (Fruchtzucker), ein bis drei Prozent an einer Histamin-Intoleranz (etwa in Wein und Käste) und ein Prozent an einer Zöliakie (Gluten-Intoleranz). Die Dunkelziffer schätzen Ärzte weit höher ein.

Was viele nicht wissen: Eine Unverträglichkeit ist keine Allergie. Während eine Allergie eine Immunreaktion des Körpers gegen bestimmte Eiweißstoffe bedeutet, spielen sich Unverträglichkeiten hauptsächlich im Darm ab. "Unverträglichkeitsreaktionen entstehen, wenn Verdauungsenzyme Nahrungsbestandteile schlecht spalten", Michael Wolzt, Facharzt für Innere Medizin an der Universität für Klinische Pharmakologie und Universitätsklinik für Innere Medizin in Wien.

Nach wie vor müssen viele Betroffene jahrelang warten, bis eine Unverträglichkeit richtig diagnostiziert wird. In der Zwischenzeit quälen sie sich mit Blähungen, Übelkeit, Hautausschlägen oder Durchfall. Beispielsweise wird eine Fructose-Malabsorption häufig irrtümlich als Reizdarmsyndrom diagnostiziert, weil viele Symptome bei beiden Krankheitsbildern gleich sind. Wichtig sei es daher, ein Ernährungstagebuch zu führen, um dem Arzt die Diagnose zu erleichtern, erklärte der Mediziner Albert Missbichler.

Der Aufklärung über dieses Thema kommt nach wie vor große Bedeutung zu. Aus diesen Gründen haben sich vor einiger Zeit Experten zur Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Forschung und Weiterbildung im Bereich nahrungsmittelbedingter Intoleranzen (NutriDis) zusammengeschlossen. Die wissenschaftliche Leitung wird von Missbichler wahrgenommen.

Derzeit wird in Graz ein Präparat getestet, das diese Störung im Transportsystem mit Hilfe des Enzyms Xylose Isomerase (XI) umgeht. "Die XI-Kapseln zeigten sich unter Laborbedingungen in der Lage, Fructose in leicht verwertbare Glucose umzuwandeln", erklärte Peter Komericki von der Klinischen Abteilung für Umweltdermatologie und Venerologie an der Medizinischen Universität Graz. Die endgültigen Ergebnisse werden voraussichtlich bis Jahresende veröffentlicht.

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