Mentales fasten

Glücklicher mit der Seelendiät

19.03.2010

Weniger ist mehr. Fast jeder Mensch ist seelisch verschlackt. Eine Therapeutin zeigt, wie man wieder offen für Neues wird.

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© Getty Images
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Manchmal ist alles zu viel: Der Kleiderkasten quillt über, die Arbeit stapelt sich auf dem Bürotisch und im Terminkalender findet sich auf Wochen hinaus kein Plätzchen mehr für ein gemütliches Kaffeetratscherl mit der besten Freundin. „Das ständige Übermaß an Dingen, Informationen und Verpflichtungen belastet und überfordert uns“, warnt die deutsche Philosophin und Therapeutin Rita Pohle in ihrem aktuellen Ratgeber 'Lass los, was deine Seele belastet' (GU-Verlag).

Testen Sie!
Darin zeigt sie, wie man sich von mentalem Ballast befreien und entspanntere Strategien entwickeln kann. „Verzicht ist nicht anstrengend, sondern wirkt befreiend“, ist die Autorin überzeugt. Ob auch Sie eine „Seelendiät“ brauchen, verrät der Blitztest ganz rechts. Und so funktioniert die mentale Fastenkur:

Erkennen Sie Ihre persönlichen seelischen Schlacken!

  • Erster Schritt: Machen Sie eine Bestandsaufnahme. Fast jeder steckt in Gewohnheiten fest – und zieht dadurch das vertraute Leben einem unbekannten, aber vielleicht besseren vor. Überlegen Sie daher: Was können Sie loslassen? Freiwilliger Verzicht heißt, bewusst „Nein“ zu sagen – sowohl in materieller Hinsicht (brauchen Sie wirklich noch ein neues Paar Schuhe?) als auch auf der mentalen Ebene: Sagen Sie „Nein“, wenn sie mit neuen Aufgaben zugeschüttet werden und ohnedies fast in Arbeit ersticken. Bedenken Sie: Es kann nichts Neues in unser Leben kommen, wenn nichts Altes geht. Und: Listen Sie Ihre mentalen Abhängigkeiten auf! Zum Beispiel: Leiden Sie unter Liebessucht und leben lieber in einer mittelmäßigen Beziehung als ohne Partner? Unter Problemsucht, indem Sie zu oft grübeln? Oder unter Kaufsucht, indem Sie sich mit dem Kauf von Dingen belohnen, die Sie eigentlich nicht brauchen? Autorin Pohle: „Hinter einer Sucht steckt häufig die Suche nach dem Sinn des Lebens.“

Die Fastenpraxis: So werden Sie Ballast los!

  • Zweiter Schritt: Geben Sie sich einen Ruck – und damit die Chance zur Veränderung. Gewöhnen Sie Geist und Körper zunächst an kleine Veränderungen. Gehen Sie einen anderen Weg zur Arbeit oder probieren Sie neue Gerichte aus. Fragen Sie sich: Leben Sie Ihr eigenes Leben? Wo sind Sie fremd gesteuert? Lassen Sie los, was Ihnen nicht (mehr) entspricht. Expertin Pohle: „Vertrauen Sie dabei auf Ihren sechsten Sinn; hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.“ Ehe Sie etwas konsumieren, überlegen Sie: Macht der Neuerwerb Sie wirklich glücklich? Therapeutin Pohle empfiehlt: „Legen Sie pro Woche mindestens einen Konsumfastentag ein! Und entrümpeln Sie vor weiteren Käufen erst gründlich Ihre Wohnung.“ Ebenfalls wichtig: Raus der „Multitasking“-Falle (möglichst viele Dinge gleichzeitig erledigen)! Pohle: „Überlegen Sie, welche Aufgaben Sie abgeben können. Sortieren Sie all jene aus, bei denen Aufwand und Vergnügen in keinem guten Verhältnis stehen.“ Fragen Sie sich bei jedem Termin – muss er wirklich sein? Und: Betrachten Sie jeden Stau, jede Wartezeit als Zeitgeschenk und Erholungspause.

Strategien für die Zukunft: Träume verwirklichen

  • Letzter Schritt: Sie haben Platz für Neues geschaffen; nun ist es Zeit, Ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Pohle empfiehlt: „Halten Sie ihn schriftlich fest und formulieren Sie ihn so lange um, bis er für Sie stimmig ist.“ Holen Sie Infos ein, vereinbaren Sie Termine und fragen Sie sich: Wer kann Sie bei der Umsetzung unterstützen? Verfügen Sie über den nötigen finanziellen Rückhalt? Und: Wie könnte der erste, klitzekleine Schritt zur Traumerfüllung aussehen?

Buchtipp der Woche

© GU-Verlag

Dr. Rita Pohle: 'Lass los, was deine Seele belastet.' Erschienen im GU-Verlag um 13,40 Euro. Hier geht's zur Bestellung!

Machen Sie den Blitztest!

Brauche ich eine mentale Fastenkur?
Beantworten Sie die Fragen spontan: Je mehr Sie mit JA beantworten, desto eher sollten Sie eine Seelendiät einlegen!

1. Manchmal ist mit alles zu viel.

2. Ich beschäftige mich oft in Gedanken mit den Problemen meiner Angehörigen und meiner Mitmenschen.

3. Ohne Kaffee komme ich morgens kaum in die Gänge; auch zwischendurch brauche ich Koffein-Kicks.

4. Ich gebe viel auf die Meinung meiner Mitmenschen und grüble lange über deren Bemerkungen nach.

5. Gehe ich ohne Handy aus dem Haus, fehlt mir etwas.

6. Ich muss jeden Morgen eine Zeitung lesen.

7. Immer wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe, denke ich, ich hätte es noch besser machen können.

8. Ich checke auch am Wochenende meine E-Mails.

9. Mein Tag sollte ein paar Stunden mehr haben.

10. Will ich mich belohnen, kaufe ich mir etwas Schönes.

11. Vor dem Fernseher kann ich gut entspannen.

12. Ich kann mich zwischen mehreren Möglichkeiten oft nur schwer entscheiden.

13. Ich habe das Talent, mehrere Dinge gleichzeitig tun zu können, und bin sehr stolz darauf.

14. Ich frage mich oft, wieso andere geringere Ansprüche an sich stellen als ich an mich.


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