Buchtipp: »Da kann ja jede kommen!«

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Buchtipp: »Da kann ja jede kommen!«

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Die Macherinnen des gleichnamigen Podcasts Nicole von Wagner und Yvonne Fricke versprechen in ihrem neuen Buch: „Da kann ja jede kommen!“

Sex ist ein Tabuthema“, sagen zwei, die es wissen müssen: Yvonne Fricke (lebt mit ihrer Partnerin in Berlin) und Nicole von Wagner (verheiratet und Mutter zweier Kinder) plaudern seit Jahren in ihrem mehrfach prämierten Podcast Ladylike über die schönste Nebensache der Welt. Doch das war dem Duo nicht genug, jetzt teilt es seinen Wissensschatz auch in seinem neuen Buch mit: Der frisch-freche Ratgeber Da kann ja jede kommen! Was wir von zwei Ladys über Sex lernen können schaut unter die Bettdecken der Gesellschaft, lässt ratsuchende Frauen sowie Männer zu Wort kommen und gibt Tipps, wie Sex zu zweit, alleine oder in vielen anderen Ausführungen noch mehr Spaß machen kann. Ein Manifest für die (vor allem weibliche) Lust!

Die Routine killt den Spaß

Die beiden Deutschen schauen ihren Landsleuten genau auf die Finger: So wünschen sich die Damen und Herren unseres Nachbarlandes fünf Mal wöchentlich Sex – in Wirklichkeit stehen pro Monat aber nur fünf Schäferstündchen (und die mit einer maximalen Dauer von je 13 Minuten) auf dem Programm. Die Routine killt den Spaß, die Expertinnen: „Probiert euch aus. Schämt euch für nichts, seid kreativ, aber hört am Ende auf euer Bauchgefühl. Wenn ihr gemeinsam mit eurem Partner, eurer Partnerin feststellt, dass ihr durchschnittlichen Sex mögt, alle beide dabei gut kommen könnt und glücklich damit seid, muss euch das nicht unangenehm sein.“

Der liebe Höhepunkt

Die Ladys sind sich einig: „Kein Sex ist so sicher wie der mit sich selbst.“ Denn: „Die Orgasmusquote liegt bei nahezu 100 Prozent, wenn man sich selbst befriedigt.“ Dennoch ist das Thema des weiblichen Solo-Sex noch immer mit Scham behaftet. Die Topgründe für Selbstbefriedigung sind laut Portal Statista folgende: Befriedigung sexueller Bedürfnisse; Entspannung oder Stressabbau; sexuelles Vergnügen; mit dem eigenen Körper wohler fühlen; weil der Partner nicht da ist. Der weibliche Orgasmus ist noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, die Profis: „Darum sind wir ab sofort für eine Orgasmus-Quote. In jedem Gespräch, das wir unter Freundinnen führen, sollte auch das Thema Orgasmus vorkommen. Es ist so ein schönes und wichtiges Thema, der Orgasmus-Anteil muss in jedem Gespräch zehn Prozent betragen, und wir fangen hier und jetzt damit an.“

Die Lust neu entfachen

Bei einer Flaute im Bett raten die Autorinnen zu folgenden Tricks, um das ­Feuer der Leidenschaft wieder zu entfachen: Neben der klassischen Paartherapie, dem Gang zum Arzt (um etwaige körperliche Symptome abzuklären) oder einem vereinbarten Termin zum Intermezzo können frische Sexpraktiken („Einmal im Monat muss etwas Neues ausprobiert werden. Augen verbinden, fesseln, Eiswürfel, Kerzenwachs, Badewanne, Dusche, Garten.“) oder Rollenspiele die Lust wieder ent­fachen. Und wenn nichts mehr hilft: ­reden, reden, reden.

Sextoys als Lifestyle-Goodies

Ganz schön spielerisch ging’s während der Coronapandemie in den Schlafzimmern zu: 2020 verzeichneten Sexspielzeugfirmen ein Umsatzplus von bis zu 300 Prozent. Das bedeutet auch eine Entwicklung vom Schmuddelimage hin zum Lifestyleprodukt. Ob heißer Solo- oder Paarsex: Die Auswahl ist riesig. Wie gut, dass von Wagner und Fricke die Produkte einem gnadenlosen Check unterzogen haben! Und zwischen Auflege-Vibratoren, Liebeskugeln, Plugs, Penisringen oder vibrierenden Unterhosen (ja, richtig gelesen!) wird wohl jede:r fündig.

© blanvalet
Buchtipp: »Da kann ja jede kommen!«

Nicole von Wagner und Yvonne Fricke meinen: „Da kann ja jede kommen!“; 352 Seiten, 16,50 Euro, erschienen bei Blanvalet.

Pornos – why not?

Eine Beobachtung sorgt für große Augen: So meinen von Wagner und Fricke, dass Frauen auf Schwulenpornofilme stehen! „Frauen suchen im Porno viel mehr als Männer authentische, nachvollziehbare Sexszenen. Sie wollen realistische Geilheit sehen. Bei Heteropornos vor allem im Mainstreambereich kommt das oft zu kurz.“ Alles klar. Nach der Einschätzung der Autorinnen schauen noch immer viel weniger Frauen Sexfilmchen als Männer, aber es werden immer mehr: Stichwort Pornos nur für Frauen, die das Etikett „Feministischer Porno“ tragen. „Die Lust steht wie bei den herkömmlichen Pornos im Mittelpunkt, aber die Sicht darauf ist durchwegs weiblich.“ Es gilt: Tun und machen, worauf man Lust hat. Denn: „Sex sollte ausgeglichen und glücklich machen. Nichts anderes zählt.“ Finden wir auch!

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