Kaminer hatte eine schwere Zeit

Wladimir Kaminer flüchtete aus Armeegefängnis

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer ("Russendisko") hat während seines Militärdienstes in der Sowjetunion viel durchgemacht. "Ich war ein Außenseiter, weil ich aus Moskau kam", sagte der 42-Jährige dem "Zeitmagazin". "Moskauer waren verhasst, Moskauer waren die Leute, die den anderen die Butter, die Milch, das Fleisch und alles, was gut war, weggegessen haben."

Wegen eines Disziplinarvergehens sei er dann im Armeegefängnis eingesperrt worden, nach einigen Monaten aber geflüchtet. "Die haben mich gar nicht verfolgt, weil sie dachten, wo soll der hinlaufen, da ist doch überall nur Wald und Schnee." Er sei dann zu seiner Einheit zurück, wo ihn ein Arzt im Krankenhaus untergebracht habe. "Dann kam das Jahr 1989, und sie haben mich nach Hause geschickt", so Kaminer. 1990 erhielt er Asyl in der damaligen DDR.

Die sowjetische Armee sei eine Klassengesellschaft gewesen, sagte Kaminer. Es gab immer Sklaven, die die ganze Arbeit machen mussten, und andere, die die Sklaven kontrollierten. "Und ich als Hauptstadtkind hatte die besten Chancen, ein Sklave zu werden."