Vom Lehrer zum Autor: Peter Bichsel wird 75

Vom Grundschullehrer zum Schriftsteller: Dem Schweizer Peter Bichsel hängt sein erster Beruf immer noch an. Seine Werke seien so belehrend, urteilen Kritiker. Bichsel, der am 24. März 75 Jahre wird, sei aber nun etwas melancholischer geworden, heißt es inzwischen wohlwollend. Und er wird mittlerweile zu den bedeutendsten Schriftstellern der Schweiz der Nachkriegszeit gerechnet.

Immerhin sieht die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) Literatur pur in den Kolumnen Bichsels. "Als einer der ersten Berufsschriftsteller" habe er sich auch als erstes mit der Textform einer Kolumne befasst und damit diese Gattung sozusagen eingeläutet", würdigt ihn die Zeitung. "Die Wochenzeitung" stellt fest, dass der 75. Geburtstag Bichsels eigentlich "sehr traurig" sei. "Denn mit 75 ist das Ende eines Lebens und Werks absehbar." Bichsel selber wird mit dem Hinweis zitiert, er hoffe, dass die verbleibende Zeit möglichst langweilig werde und nicht etwa schnell vergehe. "Ich hatte ohnehin immer Angst, dass ich mir mit meiner Schreiberei das Leben verpfusche", sagt Bichsel. "Ich möchte selber jemand sein. Nicht einfach jemand sein, weil ich Schriftsteller bin."

Bichsels Kolumnen sind "eng verwandt mit den Erzählungen", die der Schriftsteller seit 1964 veröffentlicht. Aber von seinen Kolumnen gibt es viele, Erzählungen erscheinen höchstens alle fünf, sechs Jahre, wie die "NZZ" weiter vermerkt. Der 1935 als Sohn eines Malermeisters in Luzern geborene Schriftsteller war Gastdozent in Essen, Frankfurt und den USA und Stadtschreiber in Bergen-Enkheim bei Frankfurt.

Zu seinen veröffentlichten Titeln gehört "Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen" (1964), der erste und bekannteste Prosaband über Figuren aus dem kleinbürgerlichen Alltagsmilieu. Noch schmaler als der Erstling, aber ebenso erfolgreich sind die "Kindergeschichten" (1969), "Geschichten zur Falschen Zeit" (1969), "Der Busant" (1985) und "Zur Stadt Paris" (1993). Für seinen Roman "Die Jahreszeiten" (1967) erhielt er den Preis der Gruppe 47. 1970 wurde er mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet.

Als er im Juni 2000 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor bekam, galt er als ein Autor, dessen Humor sich feinsinnig als dichterische Einbildungskraft zu erkennen gebe. Die Geschichten des Autors würden formvollendet und mit verwegenem Sprachwitz erzählt und seien mit eigensinnigen und skurrilen Figuren bevölkert, meinte die Jury. Zu weiteren Ehrungen gehören der Werkbeitrag der Stiftung Pro Helvetia 2005 und der Ehrendoktortitel der Universität Basel.