Lukas Resetarits liest am 24. März Satirisches

Unabhängiges Literaturhaus NÖ feiert 10. Jubiläum

Das Unabhängige Literaturhaus Niederösterreich (ULNÖ) in Krems begeht seinen zehnten Geburtstag. Am 24. März, genau zehn Jahre nach der ersten Veranstaltung, liest Lukas Resetarits Satirisches und Gebrauchslyrik aus eigener Feder sowie Texte seiner Tochter Kathrin, Dramolette von Antonio Fian und Prosa von Friedrich Achleitner, Gerhard Rühm und H.C. Artmann.

Das ULNÖ versteht sich als Forum für regionale und internationale Literaturschaffende, als Ort für ein literarisch interessiertes Publikum, als Kulturknotenpunkt und Informationsstelle für literarische Belange. Ursprünglich hätten sich die drei Initiatoren Wolfgang Kühn, Michael Stiller und Sylvia Treudl ein mobiles Literaturprojekt, eine Art Thespiskarren, vorgestellt. Das Trio hatte bereits 1998 das erfolgreiche Festival "Literatur und Wein" ins Leben gerufen und fand mit seinen Ideen für qualitätvolle zeitgenössische Literatur in Niederösterreich offene Ohren beim Land.

"Mittlerweile sind wir eine der etabliertesten Institutionen der Kunstmeile Krems", zog Stiller im APA-Gespräch zufrieden Bilanz. Und das, obwohl das ULNÖ nicht zur NÖ Kulturwirtschaft zählt, sondern weiterhin als eigenständiger gemeinnütziger Verein agiert - unabhängig eben. Die Kosten tragen Land und Bund zu gleichen Teilen bei relativ hoher Drittmittelleistung: Der Anteil der Privatsponsoren am Budget liegt bei etwa 15 Prozent. Diese Unabhängigkeit sei auch eine "inhaltliche Ansage", so Treudl. Der Veranstaltungsschwerpunkt liegt ausschließlich bei zeitgenössischer Literatur, die auch von den Autoren selbst gelesen wird.

Veränderung findet kontinuierlich statt: Seit sechs Jahren verstärkt Vera Schwarzinger das Leitungsteam im organisatorischen Bereich, 2006 gestaltete Franz Graf die ULNÖ-Lounge mit Kinolettern und einer komfortablen Sitzgruppe. Aktuell laufen auch Projekte "außer Haus", wie die in Zusammenarbeit mit Hauptschulen und Autoren entstehenden "Schulhausromane" (derzeit mit Julian Schutting in Langenlois und Christian Futscher in Tulln) oder die Kooperation mit der Plattform http://www.readme.cc in der Arbeitsgemeinschaft Literaturlandschaft Wachau, die im kommenden Juni eine Veranstaltungsreihe "Wachau erlesen" startet. Bereits am 29. Mai begibt man sich gemeinsam mit Christoph Ransmayr auf Donaufahrt und reist mit einem Leseschiff stromaufwärts durch die Wachau.

Vorsichtig optimistisch blicken die ULNÖ-Betreiber in die Zukunft: "Literatur wird interessanter proportional zur wirtschaftlichen Krise", meint Stiller. Dennoch: "Literatur ist weder umsonst noch gratis", erklärt Treudl. Das ULNÖ verlangt bei seinen Veranstaltungen grundsätzlich Eintritt. Die Präsenzbibliothek steht allerdings kostenlos zur Verfügung.

Die geografische Situation ist für das ULNÖ - situiert im Gebäudekomplex der ehemaligen Teppichfabrik Eybl - einerseits günstig, weil zentral und unweit von St. Pölten, andererseits problematisch, da vom Süden und Osten des Bundeslandes schwer erreichbar. "Die Infrastruktur ist verbesserungswürdig", sind sich alle einig - gemeint ist da vor allem der öffentliche Verkehr: Denn um 21.03 Uhr verlässt der letzte Zug den Kremser Bahnhof.

Das Artist-In-Residence-Programm des Landes NÖ ermöglicht ausländischen Autoren seit Jänner 2006 ein- bis zweimonatige Aufenthalte in Krems, ganz im Sinne der intendierten Internationalisierung des ULNÖ-Veranstaltungsprogramms. Im Gegenzug reisen niederösterreichische Autoren beispielsweise zu Stipendienaufenthalten ins Künstlerhaus Boswil (Schweiz) oder ins Schriftstellerquartier Velika Polana (Slowenien). Utopisch erscheint zwar die Vorstellung, literarische Kaliber wie T. C. Boyle oder Paul Auster einzuladen, doch auch Autoren wie der Tscheche Jachym Topol, die derzeit in Krems wohnende Moldawierin Nicoleta Esinencu oder der Schweizer Rolf Lappert, Ateliergast im April, sorgen für Abwechslung.

Höhepunkt des Veranstaltungsjahres bleibt das regelmäßig ausverkaufte "Kulturenfestival Literatur und Wein", das heuer von 16. bis 18. April im Stift Göttweig und im ULNÖ über die Bühne geht. Laut Kühn ist der Zuspruch auch 2010 enorm: "Es läuft besser denn je". Die Gäste kommen immer wieder, Kühn zitiert ein literaturbegeistertes Paar: "Literatur und Wein, das ist schöner als Weihnachten, weil da haben wir die Kinder nicht mit." Was nicht bedeutet, dass die Jugend im ULNÖ keinen Platz findet - im Gegenteil, haben hier doch in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Jungautoren wie Magda Woitzuck oder die Poetry Slammer Mieze Medusa und Markus Köhle Auftritte geliefert.

INFO: http://www.ulnoe.at