Kritik am Schulsystem

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Kritik am Schulsystem

Die Unzufriedenheit mit dem Schulsystem steigt. Höchste Zeit, unseren Bildungsbegriff kritisch zu hinterfragen und Bildung ganzheitlich(er) zu denken. 

Die Schulbildung eines Kindes ist Teil des Fundaments für seine persönliche, soziale und berufliche Zukunft. Bedingt durch die gesellschaftlichen und weltpolitischen Ereignisse, unterliegen auch die Schwerpunkte im österreichischen Bildungsdiskurs dem Wandel der Zeit. Im Mittelpunkt unseres Bildungssystems stehen zwar Fairness, Chancengleichheit, Vielfalt, Inklusion und Integration -die alltägliche Praxis in den Schulen hinkt diesen Prämissen allerdings hinterher.

Rufe nach Veränderung. Die Folge ist Demotivation auf vielen Seiten: Kinder sind teils entweder unter-oder überfordert, Eltern beklagen zu großen Leistungsdruck, Lehrer bemängeln die Unmöglichkeit, Kinder individuell zu fördern, und Direktoren stöhnen wegen des ständig steigenden Administrationsaufwands -gerade in Zeiten von Covid-19 ein großes Thema. Wie soll das weitergehen? Wie kann die Schule unter diesen Umständen in Zukunft Chancengleichheit und eine tragfähige Basis für unsere gesamte Gesellschaft darstellen?

Aufforderung zum Andersdenken. Diesen komplexen Fragen widmet sich die Wiener Autorin, Journalistin und Mutter eines AHS-Oberstufenschülers Alexia Weiss in ihrem aktuellen Buch Zerschlagt das Schulsystem und baut es neu!. Weiss plädiert für ein modernes Schulsystem, das auf Ganzheitlichkeit und nicht nur auf der reinen Vermittlung von Wissen und Kompetenzen basiert. Im Vordergrund steht die Idee eines inklusiven Modells, das Kinder in ihrer Gesamtheit, eingebettet in ein soziales Gefüge, betrachtet und ihnen mehr Raum für persönliche Entwicklung und Entfaltung bietet. Zudem spricht sich die Autorin für eine Neukonzeption des Lehramtsstudiums, eine Aufwertung des Berufsbilds des Lehrers und eine faire Bezahlung von Pädagogen aus.

Zukunftsfittes Bildungssystem. Fakt ist: Veränderungen im Schulsystem - und auch in der elementaren Bildung in den Kindergärten -sind dringend notwendig. Frei nach dem Motto "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" muss, so Weiss, das Bildungssystem vor allem unseren Kindern gerecht werden und sie auf die Zukunft vorbereiten. Gelingt das nicht, entsteht nicht nur individuelles Leid, auch Arbeitslosigkeit, Armut und Kleinkriminalität nehmen zu; die Schere zwischen Arm und Reich klafft weiter auseinander.

Startschuss für Bildungsdebatte. Alexia Weiss geht es nicht darum, das bestehende System "auseinanderzunehmen". Mit ihrem Buch zeigt sie vielmehr auf, wo es hakt, an welchen Schrauben gedreht werden könnte und sollte, um die seit Jahren omnipräsente Bildungsdebatte ein wenig zu entschärfen und längst überfällige Veränderungen in Gang zu bringen. Eines vorweg: Mit einem kleinen "Reförmchen" wird es wohl nicht getan sein. Zerschlagt das Schulsystem und baut es neu! ist eine Einladung an alle Beteiligten - von Bildungspolitikern über Pädagogen und Direktoren bis hin zu Eltern, Kindern und Familien mit unterschiedlichsten sozialen und sprachlichen Hintergründen -, miteinander in Dialog zu treten und gemeinsam etwas zu bewegen. Für unsere Kinder, denn sie sind die Zukunft unserer Gesellschaft.

© MADONNA
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