Abraham Sutzkever mit 96 Jahren gestorben

Der 1913 in Smorgon bei Wilna geborene Sutzkever war einer der letzten Überlebenden des Ghettos von Wilna, der heutigen Hauptstadt Litauens Vilnius. Er konnte während des Kriegs wertvolles jüdisches Kulturgut und Bücher retten, die in der "Sutzkever-Kaczerginski-Collection" in New York aufbewahrt werden.

Nach der Zerstörung des Ghettos gelang ihm mit seiner Frau die Flucht in die umliegenden Wälder, wo er sich Partisanen anschloss. Die Erfahrungen seiner Ghetto-Zeit finden sich in dem Dokument "Wilner Getto", das vor wenigen Monaten auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. Nach dem Krieg war er einer der Hauptzeugen bei den Nürnberger Prozessen. 1947 Jahr emigrierte er nach Israel. In Tel Aviv gründete Sutzkever "Die goldene Kejt" (Die goldene Kette), eine Zeitschrift für jiddische Poesie. Seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt. Unter dem Titel "Gesänge vom Meer des Todes" erschienen im vergangenen Jahr auf Deutsch eine Reihe seiner Werke.

"Sein dichterisches Werk thematisiert in eindrücklichen Gedichten die Leiden des jüdischen Volkes während der NS-Zeit, öffnete sich in späten Jahren zusehends aber auch für israelische Gegenwartsfragen", hieß es in einer Mitteilung des Ammann-Verlags in Zürich. Für seine Bemühungen um den Erhalt der jiddischen Sprache wurde Sutzkever 1985 mit dem in seiner neuen Heimat sehr bedeutenden Israel-Preis ausgezeichnet. Er hinterlässt zwei Töchter und zwei Enkeltöchter, darunter die Schauspielerin Hadas Kalderon.

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