Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner:

Kein Tag wie der Andere

Ein bisschen anfällig für Dämlichkeiten aller Art war ich immer schon, behauptet nicht nur meine Mutter. Aber ist der Ruf erst mal ruiniert.. na, Sie wissen schon. Insoferne war die Hemmschwelle klein, als ich den Laden von Frau Wanda betrat.
„Wanda blickt für Sie in die Zukunft“ steht auf dem Schild in der Auslage, an der ich täglich auf dem Weg ins Büro vorbeifahre. Tausendmal gedacht: „Eh kein Parkplatz in der Nähe.“ Abgesehen davon schien mir Wanda, ohne sie zu kennen, nur gering vertrauenswürdig. Was kann ich dafür, dass das Schicksal mir letzte Woche einen Parkplatz genau vor Wandas Laden bescherte?
„Kommen Sie härrein“, scharrte Wanda, aus Ungarn stammend, klein und stämmig,  freundlich, „Platz nähmen bittaschän und nennen Sie mir ihrä Winsche.“ Kann man vor Wanda Wünsche an das Universum nennen? Muss man gar nicht.  „Sähe schon, sähe schon“, sagt Wanda,  „grrosse Ärneuerung in ihrem Läben, sähe äh olles! Augän sind Spiegel der Säle! Schään!“
Weil Wanda äh olles sieht muss ich gar nichts värraten. Wanda legt unentweg Karten, sieht mich an, legt Karten, murmelt, legt Karten, sagt „schän, schän!“, was ich positiv deute. Man fühlt sich ja verletzbar in so einer Situation. Dann schließt Wanda die Augen, ihr Oberkörper beginnt über den Karten zu kreisen, ist mein Schicksal so ein Alptraum, dass Wanda kollabiert? Und was mache ich dann mit ihr? Würde der Rettung auf jeden Fall sagen, dass ich rein zufällig vorbei gekommen bin. Die glauben sonst, ich spinne.
Wanda stoppt ihre Schwingungen abrupt, schaut mir tief in die Augen und sagt in etwa das: „Viel Liebä, laanges Läben und vielä Kinder, sehe Zwillingä, vielleicht auch mähr!“ Dann nickt sie zufrieden.
Finde, für schwache zehn Euro kann man eigentlich nicht mähr verlangen! Rutschen Sie gut!
2013 wird sowas von schään!
 

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