Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner:

Kein Tag wie der Andere

Warum Jesus zur Weihnachtszeit lebt. Und lebt. Und lebt.

Besonders in der Weihnachtszeit stellen Kinder schwierige Fragen: „Darf ich die Kerzen vom Adventkranz anzünden?“ (Nö!) „Warum nicht?“ (Weil ich keine Lust auf ein abgefackeltes Haus habe!) „In welches Hotel gehen wir, wenn das Haus brennt?“ (In keines, weil wir dann kein Geld mehr haben!) „Sind wir dann arm?“ (Ja, Mann!) „War Jesus auch arm?“ (Ja, Mann!) „Holst du mich morgen von der Schule ab?“ (Weiß noch nicht!) „Kann ich Cornflakes?“ (Haben!) „Ist Jesus tot?“ Hm.
Ich überlegte, meinen Sohn mit seiner Frage an die Kirchen-Hotline zu verweisen (hat die Kirche eine Hotline? Fände das eine gute Idee, gerade zur Weihnachtszeit!). „Also, ist er jetzt tot oder nicht?“
„Menschen, die an ein Kreuz genagelt werden,  überleben das normalerweise nicht“, sagte ich. „Aber Jesus ist wieder auferstanden, laut Kirche. Er ist also unter uns.“ Ich bemühte mich um einen feierlichen Tonfall. „Sieht mich Jesus jetzt?“, fragte mein Sohn und schmierte mit Bleistift Krixikraxi auf den Holztisch. „Klar“, sagte ich, „auf den Tisch schmieren, bringt fette Minuspunkte, das Christkind...“
Mein Sohn rollte mit den Augen. „Es gibt kein Christkind. Weißt du, wie Rapid in der Tabelle liegt?“ Ich war über den Themenwechsel nicht unfroh. Fühle mich in der Familie eher für die „weichen Themen“ zuständig, dazu gehören Liebe, Psychologie, Gesundheit, Lifestyle, Gesellschaft. Und Weihnachten. Kirche ist ein Zwischenbereich (Rapid leite ich an kompetente Stelle weiter). Bezahle dafür mit dem Schuldgefühl, das klassische Rollenbild auch in der nächsten Generation zu verankern.
Wir beten manchmal vor dem Schlafengehen, ab und zu lese ich aus der Kinderbibel vor und wir gehen in die Kirche. Neulich las ich, dass solche sporadischen Kontakte bei Weitem nicht ausreichen, um eine Beziehung zu Gott aufzubauen.
„Ich hab dich lieb“, sagte ich gestern vor dem Schlafengehen zu meinem Sohn. „Ich dich auch“, sagte er und setzte schläfrig nach: „Aber am wichtigsten ist mir Gott.“ Es gibt Schlimmeres, was einem Kinder sagen können.
ABER KOMISCH IST DAS SCHON!