Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner

Kein Tag wie der Andere

Warum ich eine Schwäche für Akku-Bohrschrauber habe.

Schon seit Längerem treibe ich mich gern in Baumärkten herum. Was es da alles gibt! Man könnte Tausende Keller voll räumen. Um zu verstehen, warum mich die Thematik Keller fasziniert, muss ich meinen Keller erklären. Er ist mein Unterbewusstsein. Im Keller herrscht Anarchie. Was oben verdrängt wird, verlagert sich nach unten.

Auf diese Weise sammelt sich viel an. Ich denke hier z. B. an Langlaufski mit kaputter Bindung, defekte Inhalationsgeräte, die irgendwie zu schade zum Wegwerfen sind, oder Teile von ausrangierten Duschkabinen. Sachen halt, die man nicht weg gibt.

Weil man ja den Keller hat. Eines Tages stürzte in unserem Keller etwas gegen die Tür. Seither kann man sie nicht öffnen. Nichts hinein-, nichts heraustragen, was aber ohnehin egal ist, weil die Sachen eh keiner mehr braucht.

Werkzeuge aller Art borgen wir uns von der Nachbarin aus, mit der wir freundschaftlich verbunden sind. In ihrem Keller herrscht begehrenswerte Ordnung. Ich bin gerne dort, nehme eine Stichsäge von der Wand, sehe dahinter den Schattenriss einer Stichsäge. Ahh, schön.


Seit Jahren nehme ich mir vor, meinen Schuhschrank endlich zu ordnen, die Schuhe in außen beschrifteten Kartons aufzubewahren: „High Heels, rot, eher unbequem“. Nur: Schuhe zu ordnen, ist mir zu blöd geworden. Stattdessen spüre ich eine neue Keller-Energie in mir. Ich will im Keller Ordnung. Spießige Einbauküchen, Rasenmäher – bald gehen wir in die Pense-Ordnung.

Deshalb kaufe ich in Baumärkten gern Sachen für meinen künftigen, sauberen Keller. Wissen Sie, wie elegant sich eine Flachdübelfräse auf dem extra dafür vorgesehenen Regal machen kann? Wie stylish ein Kopfschweißschild in Kombination mit einem Stemmhammer wirkt? Letzte Woche war die Nachbarin bei mir, stolz zeigte ich ihr meine neue Schlagbohrmaschine. Lagert einstweilen im Wohnzimmer. „Oh“, sagte sie und zog sich relativ rasch zurück. Seither schauen die Nachbarn komisch, wenn sie mir begegnen. Glaube, sie verstehen nichts von Kellern.