Kein Tag wie der andere

Uschi Fellner:

Kein Tag wie der andere

Das Jahr hat erst begonnen und ich bin schon unentspannt. Jedes Mal, wenn ein Schulmerkblatt nach Hause flattert, auf dem die sehr geehrten Eltern gebeten werden, als AusflugsbegleiterInnen oder KuchenbäckerInnen zu fungieren, denke ich sofort: Die meinen mich! Nicht, dass ich mich selbst so wichtig nehme, aber der erste Reflex ist: Die schicken das nur wegen mir, wahrscheinlich haben sie den ganzen Schulausflug nur wegen mir organisiert. Weil ich auf das letzte Merkblatt nicht reagiert habe (bzw. so verzögert reagiert habe, dass längst jemand anderer die Schokopuffer aufs Buffet gestellt hat). Mein zweiter Reflex ist: Irgendjemand muss es ja machen. Mein dritter: Diesmal bin ich dran. Es gibt kein Entkommen. Dann hantiere ich mit Kalendern und werde unausgeglichen. „Folge dem Ruf der Gemeinschaft“ ruft meine innere Stimme. „Aber ich hab’ keine Zeit“, piepst die Gegenstimme. „Klar, du Ignorantin“, ruft die innere Stimme, „so viel Zeit muss sein, um nach der Arbeit Kuchen zu backen und Elternsitzungen zu besuchen. Und wenn nicht, ist das ein Zeichen, dass du die Gemeinschaft ignorierst. Pfui! Sie wird es dir nicht danken.“ Dann backe ich gottergeben einen Kuchen und besuche zumindest eine halbe Elternsitzung, in der darüber diskutiert wird, ob die vierteljährliche Schul-Charity lieber die Pygmäen in Uganda oder die Lebensraumerweiterung der Koalabären unterstützt. Ich bin für die Pygmäen. Dann ruft mich Mathildas Mutter an mit der Aufforderung, die Elterninitiative gegen den wachsenden Facebook-Wahn Pubertierender zu unterstützen. Treffpunkt jeden Mittwoch, 19 Uhr, in der Schul- Cafeteria. Ich könne gerne etwas Selbstgemachtes beisteuern fürs Buffet. Warum fällt mir jetzt Heidi Klum ein? Sollte ich sie treffen, werde ich sie fragen, wie sie das macht mit den Kuchen und den Elternabenden und den vier Kindern. Vor allem jetzt, wo Seal weg ist. Du musst nur wollen, ruft meine innere Stimme. Nicht böse sein: ICH WILL ABER NICHT.

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