Kein Tag wie der andere

Uschi Fellner

Kein Tag wie der andere

Das Brett ist dein Feind. Noch tückischer ist der Wind, der ist dein Todfeind. Dann gibt’s noch den Mast mit dem Segel, ein getarnter Feind. Vermittelt dir Stabilität und schlägt aus dem Hinterhalt zu. Sollte jemals wer zu Ihnen sagen: „Liebling, ich steh wie ein Mast hinter dir!“, knallen sie ihm eine. Lüge! Der Mast ist geschaffen, um Menschen wie mich ins Unglück zu kippen.

Das Unglück ist elend nass. Und wenn einem der Mast gerade auf den Schädel gedonnert ist und man wie eine Qualle unter dem Segel hervordümpelt und der Surflehrer sagt: „Gut gemacht, das wird schon noch, Clarissa!“, dann weiß man: Der tut nur so, als wäre er dein Freund.

Einer internationalen Surfer-Studie zufolge heißen acht von zehn Surfanfängerinnen Clarissa, habe ich gegoogelt. Scherz, aber alleine in meinem Surfkurs waren zwei Clarissas! Eine mit acht, eine mit 16 Jahren, der Einfachheit halber schlug ich Alex vor, mich auch Clarissa zu nennen.

Jeder zweite Surflehrer heißt übrigens Alex, das stimmt jetzt aber wirklich! Alleine in meinem Surfkurs waren zwei Alex-Lehrer! Um sie auseinanderzuhalten, schlug der griechische Surfschulbesitzer (Alexis, echt!) vor, einen Alex und einen Äläx zu rufen.
Ich habe die dunkle Vermutung, dass nachts, wenn alles schläft, die Alexe dieser Welt via Skype den internationalen Surf-Trottel des Tages wählen. „Clarissa hat’s heute achtmal mit dem Mast ­erwischt und sie glaubt immer noch, sie ist eine Surfbegabung!“, brüllt Alex aus Mallorca Äläx in Teneriffa zu. Wieherndes Gelächter von dreitausend Alexen. „Meine Clarissa musste aus der Stunde dreimal raus, um die Kontaktlinsen zu wechseln“, japst Alex aus Naxos dazwischen. „Ihr Lieblingswort beim Surfen ist ‚Aua‘.“ Pruhahaaa!

Belegbar ist, dass jährlich über 100 Menschen beim Surfen vom Mast erschlagen werden. Dass 99 Prozent unter ihnen Clarissa heißen, hab ich gegoogelt.

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