14. Juni 2013 14:13
Uschi Fellner
Kein Tag wie der andere
Warum ich jetzt dringend den Ikea-Test machen sollte
Kein Tag wie der andere
© Inge Prader

Dass man nicht mehr so jung ist wie früher, ­erkennt man daran, dass man öfter am Tag denkt, dass man nicht mehr so jung ist wie früher. Wobei „jung“ relativ ist. Eine Kollegin bekam kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag eine Depression wegen des Dreiers. Die Tochter einer Freundin findet, dass 28 die Grenze sei, um noch in den beliebten Club Passage gehen zu können, weil dort Gäste und Personal vergleichsweise im Vorschulalter sind. Sie bevorzugt in Hinkunft angemessen erwachsene Bars, die meiner Meinung nach nicht leicht zu finden sind, weil auch die Gäste ernsthafter Etablissements immer mehr in die Pubertät abrutschen.
Ich nehme es ja mit Humor, wenn meine 16-Jährige beim Shoppen den Kopf schüttelt, kaum dass ich aus der Umkleide trete, und milde „Mama, die Hose ist etwas für jüngere Leute“ sagt. Bei dieser Gelegenheit: Läden, die keinen Spiegel in der Umkleide haben und einen zwingen, sich vor den Augen aller bahnbrechend zu blamieren, nur weil man vergessen hat, die schwarzen Socken zum Strandkleid auszuziehen, sind unter NICHT LIEB! einzustufen.

Unlängst war ich in Berlin, im Hotel Soho House. Schon beim Einchecken freute ich mich, weil mich der Rezeptionist duzte: „Warst du schon mal bei uns?“ Sehr nett! Man fühlt sich da gleich lockerer. ­Andererseits erzählte mir jemand aus der Modebranche, dass in vielen Läden Stammkunden deshalb geduzt werden, weil ein vertrauliches Du die lasche Kaufkraft erhöht. „Du, die rote Hose steht dir super!“ Ja, wenn du meinst …
Ehrlich gesagt war ich schon länger nicht mehr bei Ikea. Ob die mich dort noch duzen?

Es ist wahrscheinlich kein Qualitätsmerkmal des Alters, wenn man sich freut, dass sie einen bei Ikea noch duzen. Eigentlich sollte ich dort vorbeischauen, nur so. Und wenn auf meine Frage „Wo stehen denn die Billy-Regale?“ ein spontanes „Da gehst du jetzt rechts und dann fragst du noch mal!“ kommt, ja dann … werde ich verdaut haben, dass mir gestern in der ­U-Bahn zum ersten Mal ein Schüler seinen Sitzplatz überlassen wollte. Aber sonst, du, ist alles gut.