Kein Tag wie der andere

Uschi Fellner

Kein Tag wie der andere

Mich machen statistische Daten immer befangen. Trennungs-Statistiken zum Beispiel.

Jeder Zweite trennt sich nach drei Jahren, sagt die Statistik und seit die aktuellen Zahlen in die Redaktion schwappten, kann ich kaum mit einem anderen Paar zusammensitzen, ohne zu denken: Rechnerisch gesehen steuert die eine Hälfte der hier Anwesenden auf den Super-gau zu, wir sind es nicht, also müssen es die anderen sein. Die Armen wissen es nur noch nicht.

Der durchschnittliche Mann, sagt die Statistik, kümmert sich pro Tag 32 Minuten um sein Kind. Abgesehen davon, dass frau keinen Durchschnittsmann zu Hause haben will, fordert sie bei der Kinderbetreuung eine überdurchschnittliche Performance ein. Irgendetwas geht da nicht zusammen.

Verwirrend finde ich auch, dass laut Statistik ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich ein Vermögen von 90.000 Euro angehäuft haben soll. 90.000 Euro hortet der Durchschnitts-Austrianer angeblich in Depots, Versicherungs- und Pensionskassen. Da ich eine Menge Menschen kenne, vor allem junge, die nicht einmal einen mickrigen Bruchteil dieser Summe angespart haben, müssen andere mehr haben. Viel mehr.

Womöglich sind ausgerechnet die abgebrannten Freunde unserer Kinder, die wir großzügig bekochen, weil wir denken, sie können sich keine Pizza leisten, überdurchschnittliche Rekordsparer, die im Geheimen über fette Konten regieren.
Statistisch ist es übrigens die Versorgungslücke, die den Menschen in den Sparzwang treibt. Im Internet kann man den exakten Durchmesser seines Pensionsloches errechnen. Bei mir, fürchte ich, tun sich hier Krater auf, denn seit Langem gebe ich alles, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.  
Wenn ich Pensionistin bin, wird es sich umgekehrt verhalten. Viel Zeit, kein Geld. Ich werde meine Kleider selbst nähen. Meine noch immer rüstigen Kolleginnen aus dem MADONNA-Beauty-Ressort zeigen mir, wie man Gurken für selbstgerührte Masken einlegt. Und ansonsten lese ich jetzt keine Statistiken mehr. Finde, sie vergiften die Freude auf die Zukunft.

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden