Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner

Kein Tag wie der Andere

Auffallend ist, dass die wenigsten Leute in meiner Umgebung ein Hobby haben. Hobbys sind in der Skala der akzeptierten Freizeit-Aktivitäten auf null abgestürzt, obwohl ein Hobby ja etwas Wunderbares ist, laut Duden eine „Beschäftigung, der man aus Freude an der Sache in der Freizeit nachgeht“.
Ein Hobby bedeutet zweckfreies Vergnügen, aber keiner will sich heute mehr zweckfrei vergnügen. Ins Theater geht man, um auf dem Laufenden zu sein, Yoga macht man, um zu entstressen. Volkshochschulen bieten Kurse für meditatives Singen an, das Singen unter der Dusche ist eigentlich auch nicht als Hobby zu bezeichnen.
Schlafen? Muss man, um zu überleben. Somit fühle ich mich hobbybefreit. In Bewerbungsschreiben ist es üblich, seine Freizeit-Interessen zumindest anzudeuten, was mich unvermittelbar macht. „Hobbys: Schlafen, auf dem Sofa lungern, nachts den Kühlschrank nach ein paar Happen durchforsten, Ski fahren bei Schönwetter, Karaoke singen im Auto“… sag ja, ich bin unvermittelbar.
Würde ich mich bewerben, würde ich „Sport­fischen“ angeben. Das ist zwar der dämlichste Sport, der mir bekannt ist (der Sportfischer zieht Fische aus dem Teich, wiegt, misst und fotografiert sie, um damit anzugeben, und lässt sie ins Wasser zurück), aber es klingt gut. So ähnlich wie „Eisklettern“. Während Sportfischen nur hochgradig sinnlos ist, ist Eisklettern auch irre. Beides klingt aber interessanter, als „auf dem Sofa lungern“.
Interessant auch, dass niemand mehr einen Hobbykeller hat. Man richtet sich Fitness- und Wellnessräume ein, aber Hobbykeller? Klingt verdächtig. Welcher Art von Hobby gehen die in ihrem Hobbykeller wohl nach? Als ich ein Kind war, hatten die Eltern einer Freundin einen Hobby­keller, wo Partnertausch-Partys stattfanden. Der ­Vater meiner Freundin leitete eine Bank, züchtete Rosen und sang im Chor. In seiner Bewerbung hätte er bei „Hobbys“ angeben können: „Rosenzüchten, Chorsingen, Partnertausch“.
Klingt immer noch spritziger als Sofalungern.

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