WGs &  der Wahnsinn

Nina Fischer

WGs & der Wahnsinn

Über die Irren am Wohnungsmarkt

Frauenmagazinredakteurin (29), ordentlich (also pedantisch wie Monk), sozial (Wehe, man spricht mich morgens an! Oder wenn ich miese Laune habe.), mit Faible für alte Möbel (Wenn die hin werden, gibt’s Tote!) sucht WG-Partnerin, adrett, flexibel, sauber, nett. So oder so ähnlich könnte meine Anzeige lauten, würde ich sie endlich aufgeben. Es wird eng. Denn meine Schwester/Mitbewohnerin hat beschlossen, ein halbes Jahr in Paris zu verbringen und es gilt nun – ob der nicht ganz so niedrigen Miete – eine finanziell gut aufgestellte Nachfolgerin zu finden. Eine Interessentin gibt es bereits.

Die rot eingefärbte Wirtschaftsstudentin Brittany aus Oregon hat über Bekannte von dem vakanten Zimmer erfahren und Interesse bekundet. Brittany hat versprochen, ganz nett und reinlich zu sein. Sie sei nämlich schon verzweifelt. In Wien, sagt sie, sei es schwierig, normale Menschen zu finden. Josef (45) sucht am Studentenportal Mitbewohnerin für „WG“: Einzelzimmer mit Doppelbett. Zwei Italiener „wollen offene Studentin“. Denn das freie Zimmer ist ein Durchgangsraum zwischen den Männerschlafzimmern und dem Bad. Auch Andi und Claudia suchen eine Mitbewohnerin. Aber Achtung: MUSS bi­sexuell sein! Und in Jessicas Wohnung ist Fleisch verboten. Ganz ehrlich, bei diesem Angebot bin ich als Mitbewohnerin eigentlich eine spitzen Partie.

Nina Fischer ist MADONNA Living-Chefin; n.fischer@oe24.at