Mein perfekter Tag

Die Spirale beginnt sich wieder zu drehen

Ich bin arbeitslos. Genauer gesagt – arbeitslose Akademikerin. Ich bin den Arbeitgebern zu kreativ.

...zu hoch ausgebildet, zu teuer. Zu wenig Erfahrung, zu viel Erfahrung. Zu zu zu.

Im Moment aber schlafe ich. Ich habe aufgehört nachzudenken und schlafe zwischen meinem Mann und meinem 4-jährigen Sohn. In unserem hellen großen Schlafzimmer in unserem neuen wunderschönen Haus mit Feldblick. In meinem Traum muss mein Mann nicht um halb sechs aufstehen, um arbeiten zu gehen. Er muss auch nicht ausschlafen, weil er nachts gearbeitet hat. Er kann einfach zusammen mit uns schlafen. Und zusammen mit uns aufstehen.

Als erster wacht unser Sohn auf. Er legt seine Arme um uns und sagt: „Ich liebe euch“. Er ist ein emotionaler Bub. Sehr aufgeweckt und eigensinnig, jedoch liebevoll.

Wir wollen aber noch schlafen und regen uns nicht. Der Kleine liegt eine Weile ruhig da und beginnt dann aber ungeduldig zu werden. Wir kämpfen und wälzen uns noch im Bett. Endlich stehen wir auf und frühstücken. Zusammen. Mit lachenden Augen und Munde voller Schokolade-Palatschinken.

Ich habe meine große Liebe geheiratet. Mein Mann liebt mich auch über alles. Trotz Arbeitslosigkeit (und entsprechender Finanzen) bin ich voller Tatendrang. Wir fahren an den Neusiedler See. Der Geruch des Wassers und des Windes ladet uns auf. Mit frischer Energie und Zuversicht. Wir fahren Boot und umarmen und küssen uns mitten im See. Alex fährt das Boot und ist sehr stolz. „Mami, schau, ich kann das Boot schon fahren“! Fast betrunken vom Glück des Zusammenseins gehen wir essen und kaufen uns eine Flasche vom hauseigenen roten Wein der Familie Gisch. Mein Lieblingswein.

Noch eine Runde in der Flaniermeile von Podersdorf und ein Eis. Müde, aber zufrieden steigen wir ins Auto und fahren zurück. Mein Mann sieht mich an und lächelt. Er liebt mich.

Ich bin jedoch arbeitslos. Mein Gewissen meldet sich und ich beginne wieder nachzudenken. Die Spirale beginnt sich wieder zu drehen.