Mein perfekter Tag

Den perfekten Tag, jeden Tag erleben

Ist es überhaupt möglich, mehr als einen perfekten Tag im Leben zu haben? Ja, selbstverständlich geht das.

Ich bin der lebendige Beweis dafür. Heute war mein perfekter Tag.

Was passiert ist? Nicht allzuviel. Es war sonnig, hat aber auch geregnet (nur ein bißchen). Gott sei Dank ist kein Grundwasser mehr in den Keller gesickert. D.h. Daddy S musste (zum ersten Mal seit fast zwei Wochen) nicht den ganzen Abend bis Mitternacht Wasser auspumpen. Ich hatte auch endlich mal wieder Zeit, nach dem Stillen mit I zu kuscheln und dann mit F am Teppich zu raufen.

Gestern war auch mein perfekter Tag.

Ich habe das Auto für den Tag gehabt, darum konnte ich mit den zwei Zwergen J zu Hause zu besuchen. Das war toll! Die Sonne hat gescheint und wir konnten hinaus in den Garten gehen. F war mehr als begeistert, dass er mit X in der Sandkiste toben durfte. Ich saß währenddessen auf der Hollywood-Schaukel mit I, wo wir beide das Gefühl hatten, dass wir auf Urlaub waren.

Morgen wird auch mein perfekter Tag sein.

Es ist Samstag, aber wir müssen diesmal nicht durch den voll gedrängten Supermarkt hetzen – das haben wir heute schon geschafft! Familie S wird uns am Nachmittag besuchen, sodass Herr S unseren Daddy S wieder über das Hochwasser im Keller juristisch beraten kann. Wir freuen uns sehr auf den Besuch, da die Kleinen immer glücklich sind, wenn viel los ist. Außerdem sehnen wir - Daddy S und ich – uns gelegentlich nach der Gesellschaft Erwachsener.

Um ehrlich zu sein ist jeder Tag von meinem jetzigen Leben ein perfekter Tag. Ich darf hier in Österreich wohnen – was für eine Verbesserung im Vergleich zu vorher. Ich habe Daddy S kennengelernt, mich in ihn verliebt und durfte ihn dann auch heiraten. Deswegen ist jede Minute, die ich mit ihm verbringe so wertvoll. Er ist meine tägliche Dosis von Sonnenschein und hat mich erkennen lassen, dass es doch liebevolle Männer auch gibt.

Wir haben unser Traumhaus bekommen (obwohl der Keller momentan unzugänglich ist) und es hat auch einen Garten. Jeder Tag hier ist ein Gewinn. Genug Wohnraum zu haben ist purer Luxus, mehr als ein Schlafzimmer ist super. Unser Dschungelgarten ist traumhaft – soviel Grünzeug direkt vor unserer Tür (und wir haben sogar die Möglichkeit Gemüse anzupflanzen). Noch dazu haben wir tolle neue Nachbarn rundherum, die uns mit diversem verwöhnen: Babysitten, Gewand für die Kinder borgen, hausgemachte Mehlspeisen und Kaffee…

Und wir sind jetzt eine Familie. Seitdem ich in der Volksschule war, wollte ich immer wissen, wie es sich fühlt in einer typische „normale“ Familie zu leben. Nichts anderes war mir so exotisch wie „normal“ – ich habe nur anderes erlebt. Ich war immer unüblich und diejenige, die gehänselt wurde, da ich nicht „normal“ war. Im Laufe der Zeit wurde ich immer unsicherer, ob mein Traum von einer typischen Familie für mich je Wirklichkeit werden würde. Jedes Jahr rückte mein Ziel weiter weg. Ich hatte fast keine Kraft mehr um weiter zu suchen und zu hoffen.

Die Ankunft von F bei uns vor 19 Monaten war ein Geschenk. Die Ankunft von I vor drei Wochen war die Krönung des Ganzen. Ich erlebe den perfekten Tag jeden Tag, wenn ich in ihre kleinen Gesichter schaue, wenn ich ihre Haare beschnuppere, wenn ich ihre Wimpern auf meiner Haut fühle, wenn ich höre wie laut F lachen kann oder wie zufrieden I bei mir nuckeln kann. Ich bin die glücklichste Person, die ich kenne.