Es muss secondhand sein

Kristin Pelzl-Scheruga

Es muss secondhand sein

Der Vorteil, wenn man eine Tochter hat: Man kann ihr süße Kleider kaufen, fetzige Jeans oder herzige Shirts. Dachte ich jedenfalls.
Denn leider ließ sich Rosa, kaum der Sprache mächtig, garderobentechnisch nichts mehr sagen. Ich habe alles probiert: gut zureden, manipulieren („Prinzessinnen tragen so etwas!“) oder schimpfen („So kannst du nicht außer Haus gehen!“). Das Kind blieb stur. Und ich gab auf.
Akzeptierte, dass mein Mädchen nur Getragenes an ihren zarten Körper lässt – vorzugsweise in Form ausgewaschener Outfits ihrer Cousine Anna.
Doch jetzt hat Rosa (6) eine neue Style-Göttin: die Tochter unserer Art-Direktorin. Cool ist, was Sina (11) sagt, tut, trägt – und hört. Neben einer riesigen Klamottenkiste hat unser Kind von ­Sina nämlich auch CDs bekommen: „So super! Mit Küssen und so …!“
Wählt das Kind nun morgens seine Schulkleidung, lautet die einzig relevante Frage: „Ist das eh von Sina?“ Ob die Shirts passen oder noch eine Spur zu groß sind, spielt keine Rolle.
Ich sehe es mittlerweile gelassen: Wir sparen immerhin jede Menge Geld. Und wenn ich doch einmal ein Must-have entdecke, das ich der Tochter unterjubeln will, weiß ich nun, was zu tun ist: Das Teil ein bisserl zerknittern, einmal über den Asphalt schleifen und dem Kind mit den Worten überreichen: „Schau, was Neues von Sina!“

Kristin Pelzl-Scheruga ist
Gesund-Chefin von MADONNA.

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